BUND Regionalgruppe Chemnitz
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22.04.2026 Faszinierende Welt der Wildbienen (GK)

Bei bestem Frühlingswetter trafen sich die JuNas des Grundkurses an der Naturschutzstation – und verlegten die Veranstaltung kurzerhand nach draußen ins „grüne Klassenzimmer“. Zwischen blühender Wiese und summenden Insekten ließ sich das Thema Wildbienen schließlich am besten entdecken.

Zum Einstieg ging es um eine einfache, aber spannende Frage: Wer hat schon einmal eine Wildbiene gesehen? Schnell wurde klar – viele hatten bereits Begegnungen, oft ohne es zu wissen. Denn was genau ist eigentlich eine Wildbiene?

Die Blauschwarze oder Große Holzbiene (Xylocopa violacea) ist unsere größte Wildbienenart und ist mit ihren 3 cm Körperlänge größer als so manche Hummel.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Der Große Wollschweber (Bombylius major) ähnelt einer Hummel, gehört aber zu den Fliegen. Auch der lange Rüssel ist ungefährlich.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
 (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Gemeinsam arbeiteten die JuNas heraus, dass Wildbienen alle Bienenarten sind, die nicht vom Menschen gehalten werden. In Deutschland gibt es über 560 Arten – von winzig klein bis überraschend groß, von unscheinbar bis auffällig gefärbt. Anders als die bekannte Honigbiene leben die meisten Wildbienen solitär, also allein. Jedes Weibchen baut ihr eigenes “Nest”, legt Eier und versorgt den Nachwuchs selbst – ganz ohne „Bienenstaat“.

Die Honigbiene hingegen ist ein echtes Nutztier: Seit Jahrtausenden wird sie vom Menschen gezüchtet und gehalten, vor allem zur Honigproduktion und Bestäubung von Nutzpflanzen. Ein Honigbienenvolk besteht aus tausenden Tieren mit klarer Arbeitsteilung – Königin, Arbeiterinnen und Drohnen. Auch die Hummeln, die ebenfalls zu den Wildbienen gehören, leben sozial, jedoch in deutlich kleineren Staaten und nur für eine Saison.

 (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Besonders spannend war der Blick auf die unterschiedlichen Lebensweisen: Während einige Wildbienen ihre Nester in sandigen Böden anlegen, nutzen andere Pflanzenstängel, Totholz oder sogar Schneckenhäuser. Viele Arten sind hoch spezialisiert und auf ganz bestimmte Pflanzen angewiesen – ein Grund, warum sie so empfindlich auf Veränderungen in der Umwelt reagieren.

Mitten in diese konzentrierte Lernatmosphäre platzte plötzlich eine lautstarke Szene aus der Vogelwelt: Eine Krähe verfolgte laut krächzend einen Mäusebussard. Gemeinsam wurde dieses Verhalten beobachtet und erklärt – sogenannte „Hassattacken“ sind bei Vögeln gar nicht so selten. Kleinere Vögel versuchen dabei, größere Greifvögel aus ihrem Revier zu vertreiben. Eine spannende und willkommene „Störung“ des Programms.

Zurück beim Thema ging es anschließend um die Unterscheidung verschiedener Insekten: Woran erkennt man eine Wildbiene? Und wie unterscheidet sie sich von ähnlich aussehenden Tieren? Die JuNas lernten, dass Schwebfliegen zwar oft wie Bienen aussehen, aber nur zwei Flügel besitzen, während Bienen – wie alle Hautflügler – vier Flügel haben. Auch Wespen wurden thematisiert, die sich unter anderem durch ihre schlanke Taille und andere Lebensweise unterscheiden.

 (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Natürlich durfte die praktische Erkundung nicht fehlen: Auf der Wiese vor der Naturschutzstation machten sich die JuNas auf die Suche nach Wildbienen. Dabei entdeckten sie zwar leider auch eine tote Biene, nutzten diese aber, um sie aus der Nähe zu betrachten und Merkmale zu erkennen. Das gehört ebenso zur Naturbeobachtung dazu.

Für Bewegung und gute Laune sorgte anschließend das Fangspiel „Biene und Bienenfresser“, bei dem die Kinder in die Rollen von Insekten und ihren Fressfeinden schlüpften – ein großer Spaß für alle Beteiligten.

Ein besonderer Moment war auch der Blick auf die Wildblumenfläche, die die JuNas einige Wochen zuvor selbst eingesät hatten. Neugierig wurde geprüft, ob schon etwas gewachsen ist – und tatsächlich zeigten sich erste zarte Pflänzchen. Hier wird in den kommenden Wochen hoffentlich ein wertvoller Lebensraum für viele Insekten entstehen.

 (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Zum Abschluss der Veranstaltung wurde es noch einmal richtig lebendig: Die JuNas spielten ein Ratespiel, bei dem es darum ging zu entscheiden, ob das gezeigte Insekt eine Wildbiene ist oder nicht. Die Regeln waren einfach, aber wirkungsvoll – bei „Ja, Wildbiene“ gingen die Arme hoch, bei „Nein“ ging es in die Hocke.

Schnell zeigte sich, dass jede und jeder eine eigene Strategie entwickelte. Einige achteten besonders auf die Anzahl der Flügel, andere verglichen aufmerksam den Körperbau oder die typische Form von Kopf und Hinterleib. So wurde das zuvor gelernte Wissen spielerisch angewendet und vertieft.

Besonders knifflig wurde es bei der Honigbiene. Viele JuNas waren zunächst überzeugt: „Das ist doch eine Biene – also eine Wildbiene!“ Hier zeigte sich, wie fest das Alltagsbild der „Biene“ verankert ist. Gemeinsam wurde noch einmal klargestellt, dass die Honigbiene zwar eng mit den Wildbienen verwandt ist, aber ein vom Menschen gehaltenes und gezüchtetes Nutztier ist und daher nicht zu den Wildbienen zählt.

Diese kleine „Falle“ sorgte nicht nur für Überraschung, sondern auch für viele Aha-Momente – und festigte auf spielerische Weise den wichtigen Unterschied zwischen Honigbienen, Wildbienen und anderen Insekten.

Die Veranstaltungen der Jungen Naturwächter in der Naturschutzstation (Adelsbergstr. 192) finden in Kooperation des Umweltamtes der Stadt Chemnitz und der BUND Regionalgruppe Chemnitz statt.