BUND Regionalgruppe Chemnitz
Jetzt spenden Mitglied werden

05.06.2026 Zwischen Wasser, Garten und Artenvielfalt – JuNa-Nachmittag am Knappteich (AK)

 (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Am 5. Juni 2026 machte sich der JuNa-Aufbaukurs der AG Chemnitzer NATURENtdecker auf den Weg zum Knappteich und in den angrenzenden Bürgergarten. Trotz einer kleinen JuNa-Gruppe entwickelte sich der Besuch zu einem intensiven und abwechslungsreichen Naturerlebnis, bei dem Forschen, Beobachten und praktisches Mitwirken eng miteinander verbunden waren.
Schon beim Ankommen wurde deutlich, wie vielfältig sich das Gelände rund um den Knappteich in den vergangenen Monaten entwickelt hat. Gemeinsam mit den Gastgebern erkundeten die JuNas den Bürgergarten, bestaunten neue Entwicklungen und erhielten spannende Informationen rund um Teich und Garten. Dabei wurde deutlich, wie eng ökologische Gestaltung, Pflege und Umweltbildung hier zusammenspielen.
Ein besonderes Highlight war das unmittelbare Erleben der Gartenvielfalt: Zahlreiche Kräuter konnten direkt vor Ort probiert werden. Für besonders Mutige gab es dabei eine überraschende Geschmackserfahrung – das Pfefferkraut (Lepidium latifolium) machte mit seiner intensiven, scharf-brennenden Note im Mund tatsächlich seinem Namen alle Ehre und hinterließ einen bleibenden Eindruck.

Auf Entdeckungstour am Knappteich

Keschern in der Uferzone ist immer spannend. Man weiß nie was im Kescher landet.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Nach dem ersten Erkunden des Bürgergartens ging es für die JuNas weiter ans Ufer des Knappteichs. Ausgerüstet mit Kescher und viel Neugier wurde das Gewässer aus nächster Nähe untersucht. Dabei zeigte sich schnell, wie lebendig und artenreich der Teich ist.
Besonders spannend waren die Funde im Flachwasserbereich: Kaulquappen in unterschiedlichen Entwicklungsstadien machten die faszinierende Entwicklung vom Ei zum Jungfrosch direkt beobachtbar. Auch kleinere Wasserbewohner wie Wasserasseln konnten entdeckt und genauer betrachtet werden. Aber auch die naturnahe Pflege des gebietes sorgt für viel Artenvielfalt. Brennnesseln sind Lebensraum für zahlreiche Schmetterlingsarten, Zaunwicken locken neben Honigbiene und Hummeln auchzahlreiche Wildbienen an. Darunter auf diese Pflanze spezialisierte Arten wie Eucera-Langhornbienen und auch die Zaunwicken-Sandbiene (Andrena lathyri), deren Name ja auch den speziellen Blütenbezug verrät. Diese  Diese unmittelbaren Naturbegegnungen boten viele Anlässe zum Staunen und zeigten eindrücklich, wie wichtig strukturreiche Uferzonen für das Leben im und am Gewässer sind.

Ruderwanzen und auch der hier abgebildete Rückenschwimmer besiedeln Gewässer oft schon nach kurzer Zeit.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Ein Foschlurch im Übergang von der Kalquappe zum fertig entwickelten Amphib kurz vor dem ersten Landgang.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Vermutlich ein Gemeiner Hundeegel (Erpobdella octoculata), eine harmlose Süßwasserart aus Teichen und langsam fließenden Gewässern, die räuberisch von kleinen Wirbellosen und Insektenlarven lebt.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Die Nessel-Schnabeleule (Hypena proboscidalis) ist ein typischer Schmetterling in Brennnesselgebüschen.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
In der Uferzone war der Blässhuhnnachwuchs gemeinsam mit einem Altvogel auf Nahrungssuche unterwegs.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Hier haben die Jungen Naturwächter eine Wasserassel beim Keschern erwischt.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Hier fehlen noch die Vorderbeinchen.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Das Team des Knappteichgartens staunte nicht schlecht über die große Neugier der Jungen Naturwächter auf die Natur.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Eine Zaunwicken-Sandbiene (Andrena lathyri) am Knappteichufer – eine Wildbiene, die ihre Larven ausschließlich mit Pollen der Zaunwicke versorgt.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Eine Kleinlibellenlarve im Knappteich Chemnitz  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Ein spannender Moment in der Natur: das Paarungsrad der Hufeisen-Azurjungfer (Coenagrion puella), einer weit verbreiteten und häufig zu beobachtenden Kleinlibellenart.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Ein Stockentenweibchen putzt sich entspannt am Ufer des Knappteichs.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Die Jungen Naturwächter entdeckten ein Weibchen des De Geers Langfühlers. Typisch für diese Schmetterlingsgattung sind die deutlich längeren Fühler der Männchen, die auch namensgebend sind.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Auch eine Echte Käferzikade (Issus coleoptratus) entdeckten die Jungen Naturwächter auf einem Blatt sitzend.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Ahoi am Knappteich – Einsatz für die Wasserqualität

Naturschutz per Boot – unterwegs für die Wasserqualität.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Ein besonderes Highlight des Tages war die Fahrt mit dem Ruderboot auf dem Knappteich. Dabei wurde der Perspektivwechsel auf dem Wasser nicht nur zum Naturerlebnis, sondern auch aktiv für den Gewässerschutz genutzt.
Zunächst erhielten die JuNas eine Einführung in die Funktionsweise und den Nutzen der EM-Dangos. Dabei wurde erläutert, wie Effektive Mikroorganismen (EM) natürliche Abbauprozesse im Wasser unterstützen können und so zur Verbesserung der Wasserqualität beitragen. Außerdem wurde daran erinnert, dass die JuNas des Grundkurses diese EM-Dangos bereits vor einigen Wochen selbst geformt hatten und sie anschließend über einen längeren Zeitraum getrocknet wurden.
Im Anschluss verteilten die JuNas die EM-Dangos im Teich. Diese bestehen aus Ton und sind mit Effektiven Mikroorganismen angereichert. Sie unterstützen biologische Abbauprozesse im Wasser, indem sie unter anderem beim Abbau organischer Stoffe helfen und so zur Stabilisierung und Verbesserung der Wasserqualität beitragen können. Auf diese Weise wurde die Bootsfahrt zu einer praktischen Umweltaktion direkt im Gewässer.
Eine gute Wasserqualität ist dabei eine wichtige Grundlage für eine hohe Artenvielfalt, da nur in einem stabilen, sauerstoffreichen und wenig belasteten Lebensraum viele unterschiedliche Wasserorganismen dauerhaft überleben und sich entwickeln können. Für eine hohe Artenvielfalt ist zudem ein geringer Fischbesatz wichtig, da viele Fischarten Jungstadien von Amphibien, Insektenlarven und anderen Kleintieren fressen und so die Entwicklung vielfältiger Lebensgemeinschaften im Gewässer beeinflussen können. Der vergangene harte Winter hat auf natürliche Weise zu einer Reduzierung des Fischbestandes beigetragen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass auch das Füttern von Enten und Fischen negative Auswirkungen auf die Wasserqualität haben kann. Dies bestätigten uns die Mitglieder des Knappteichgartens, die Besucherinnen und Besucher immer wieder freundlich darauf hinweisen, auf das Füttern zu verzichten. Denn dadurch können nicht nur die Wasserqualität und das ökologische Gleichgewicht beeinträchtigt werden, sondern es werden auch ungebetene Gäste wie Ratten und Waschbären angelockt.

Mit großem Interesse verfolgen die Jungen Naturwächter die Erklärungen von Olli vom Knappteichgarten zu den EM-Dangos und ihrem Nutzen für die Wasserqualität.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Gut gelaunt und voller Vorfreude warten die Jungen Naturwächter Chemnitz auf ihren Einsatz auf dem Knappteich.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Paddeln, beobachten und dabei etwas für die Natur tun – so macht Naturschutz den Jungen Naturwächtern besonders viel Spaß.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Austausch, Naturwissen und ein gemütlicher Ausklang

Thomas vom Bürgergarten am Knappteich begeisterte die Jungen Naturwächter mit spannenden Geschichten und Wissenswertem rund um den Naturgarten und seine Pflanzen.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Nach den Erlebnissen am und auf dem Wasser blieb noch Zeit für einen gemeinsamen Austausch. Im Mittelpunkt standen Themen wie naturnahes Gärtnern, Artenvielfalt im Siedlungsraum und die Bedeutung kleiner, gut gestalteter Naturflächen für den städtischen Raum. Der Nachmittag klang schließlich in entspannter Atmosphäre im Bürgergarten aus. Bei selbstgebackenem Brot und frischer Kräuterbutter wurde noch lange über die vielen Eindrücke des Tages gesprochen. 
Ein herzlicher Dank gilt den Gastgebern Olli und Thomas für die Einladung, die spannenden Einblicke und die Möglichkeit, den Knappteich und den Bürgergarten aus so vielfältigen Perspektiven kennenzulernen. Ebenso danken wir Praktikant Andrew, der an seinem letzten Praktikumstag noch einmal einen Einblick in die Umweltbildungsarbeit der Jungen Naturwächter erhalten konnte.

Ein kleiner Einblick in die Artenvielfalt

Der Johanniskraut-Fallkäfer (Cryptocephalus moraei) ist nur eine von vielen Insektenarten, die im naturnah gestalteten Knappteichgarten einen geeigneten Lebensraum finden.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Der metallisch glänzende Gemeine Rosenkäfer (Cetonia aurata) gehört zu den bekanntesten Garteninsekten. Seine Larven wachsen im Kompost heran, während die erwachsenen Käfer fleißig Blüten besuchen.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Ein Glücksfall für die Giersch-Sandbiene: Wo Giersch wachsen darf, findet diese spezialisierte Wildbiene die Nahrung für ihren Nachwuchs. Naturnahe Gärten bieten ihr dafür einen wichtigen Lebensraum.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Die Veranstaltungen der Jungen Naturwächter in der Naturschutzstation (Adelsbergstr. 192) finden in Kooperation des Umweltamtes der Stadt Chemnitz und der BUND Regionalgruppe Chemnitz statt.