Bei dieser Veranstaltung der Jungen Naturwächter AG Chemnitzer NATUREntdecker übernahm eine JuNa-Familie die Vermittlung des heutigen Themas. Zusammen mit ihrer Mama stellten die beiden JuNas uns eines ihrer Lieblingstiere, den Eurasischen Fischotter (Lutra lutra) vor. Seit 10 Jahren setzen sie sich für den Schutz dieses seltenen Raubtieres ein und unterstützen das Mitmachprojekt "Otter spotter". Ihr Interesse und das gewonnene Wissen führten zum Entschluss, die JuNas der AG Chemnitzer NATUREntdecker auch mal über diesen scheuen Wassermarder zu informieren. Schließlich haben erfolgreiche Schutzmaßnahmen in Sachsen dafür gesorgt, dass man auch an der Chemnitz und Würschnitz wieder die Möglichkeit hat, Spuren des flinken Fischjägers zu finden oder diesen mit viel Glück sogar zu beobachten. Die JuNas wünschen sich immer wieder solche Veranstaltungen zu ausgewählten Arten und so hörten sie natürlich aufmerksam zu, was unsere JuNa-Familie über den vom Aussterben bedrohten Fischotter zu berichten hatte. Sogar ein Gedicht wurde vom jüngsten der beiden JuNas vorgetragen, was wir auch noch nicht hatten bei der Vorstellung einer Art. So machen die Veranstaltungen am Freitagnachmittag natürlich um so mehr Spaß.
((Junge Naturwächter / BUND Chemnitz))
((Junge Naturwächter / BUND Chemnitz))
((Junge Naturwächter / BUND Chemnitz))
Die JuNas erfuhren, dass Fischotter zu den Mardern gehören und somit mit Steinmarder, Dachs und Co verwandt sind. Natürlich wurden auch die weltweit vorkommenden Otterarten vorgestellt, wozu auch Zwerg-, Riesen- und sogar Seeotter gehören. Diese haben sich an verschiedene Lebensräume angepasst und mithilfe einer Weltkarte wurde auch gezeigt, wo diese leben. Unsere heimische Fischotterart Lutra lutra hat einen sehr großen Verbreitungsraum von großen Teilen Asiens und Europas, ja sogar im westlichen Nordafrika. Besonders beeindruckend waren aber die Informationen über die Lebensweise und die Anpassung des heimischen Fischotters an den Lebensraum Wasser. Dieser besitzt nämlich eines der dichtesten Felle im Tierreich. Auf einem einzigen Quadratzentimeter wachsen bis zu 70.000 Haare, fast so viele, wie ein Mensch auf dem gesamten Kopf hat. Damit sich die JuNas einen echten Fischotter und dessen besonderes Fell anschauen konnten, hatten wir uns extra ein Präparat aus dem Museum für Naturkunde ausgeliehen, obwohl dieses eigentlich Teil der gerade stattfindenden Sonderausstellung "Wilde Nachbarn - Tiere des Erzgebirges" im Museum war. Für die Jungen Naturwächter durfte es in dieser Woche aber auf Dienstreise gehen. So konnten die Teilnehmenden auch die besonderen Merkmale des Otters aus nächster Nähe betrachten: die Schwimmhäute zwischen den Zehen, die ihm das Leben im Wasser erleichtern, und die spezielle Anordnung seiner Sinnesorgane. Denn Augen, Ohren und Nase liegen bei ihm auf einer Linie – so kann er alles im Blick behalten, selbst wenn nur noch sein Kopf aus dem Wasser ragt. Beim Tauchen verschließt er diese Öffnungen und kann beeindruckende acht Minuten unter Wasser bleiben. Er verbringt von allen Mardern die meiste Zeit im Wasser, weshalb er natürlich auch speziell angepasst sein muss, um Beute zu machen oder sich vor Auskühlung zu schützen.
(Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Leider wird es dem Fischotter seit jeher schwer gemacht in unserer Welt zu überleben. Als Nahrungskonkurrent und wegen seines begehrten Fells wurde er früher stark bejagt. Als in früheren Zeiten zur religiösen Fastenzeit auf Fleischverzehr von Landtieren verzichtet wurde, zählte man den flinken Wassermarder, wie auch den Biber, einfach zu den Fischen. Denn Fische durften in der Fastenzeit weiterhin gegessen werden. So richtig auf Fleisch verzichten, wollte dann wohl doch keiner zur Fastenzeit. Heute steht der Fischotter unter strengem Schutz und seine Bestände haben sich zumindest in einigen Regionen erholt. Geeignete Lebensräume sind natürliche und fischreiche Gewässer, wo er gute Bedingungen zur Nahrungssuche findet und um seine Jungen in eigens angelegten Bauen großzuziehen. Durch Flussbegradigungen und Bebauung verliert der Otter aber zunehmend geeignete Lebensräume und muss in andere Gebiete abwandern. Außerdem hat man herausgefunden, dass Otter nicht gern unter Brücken hindurchschwimmen, weshalb sie meist den Landweg nutzen und so häufig zu Verkehrsopfern werden. Mittlerweile gibt es verschiedene Initiativen, die sich dafür einsetzen, dass Uferstreifen unter den Brücken geschaffen werden, sodass sie Brücken gefahrlos unterqueren können. Diese sogenannten Bermen helfen dem Otter bei der Querung und dienen gleichzeitig als Markierungsstelle, sodass er mit anderen Ottern über Losung "kommunizieren" kann. So kann man mit etwas Erfahrung die Vorkommen von Ottern feststellen und nachweisen.
Nach dem spannenden Infoteil durften die Jungen Naturwächter ihr neu gewonnenes Wissen unter Beweis stellen – entweder beim Ausfüllen eines kleinen Quiz oder beim Gestalten eines Ausmalbildes rund um den Otter. Ein besonderes Highlight war das Infomaterial, das die JuNa-Familie vom Otterzentrum mitgebracht hatte. Neben informativen Broschüren gab es auch tolle Überraschungen wie Otter-Lesezeichen, die bei den JuNas besonders gut ankamen. Während die Zeit wie im Flug verging, nutzten einige JuNas die Gelegenheit, am Whiteboard einen Otterlebensraum zu zeichnen und so das Gelernte kreativ umzusetzen. Meldungen von Spuren oder Beobachtungen von Fischottern sind natürlich von den Unteren Naturschutzbehörden der jeweiligen Landkreise und Citizen-Science-Projekten wie "Otter Spotter" gewünscht. Nur so lassen sich aktuelle Aussagen zu Vorkommen, Beständen und Schutzmaßnahmen ableiten. Also Augen auf bei euren nächsten Spaziergängen an Flüssen, Bächen und Seen. Vor allem im Schnee lassen sich Trittsiegel oder Markierungen gut erkennen. Vielen Dank auch an das Museum für Naturkunde in Chemnitz für die Ausleihe des Fischotter-Präparates.
((Junge Naturwächter / BUND Chemnitz))
((Junge Naturwächter / BUND Chemnitz))
Vielen Dank an unsere beiden JuNas und ihre Mama. Es war ein toller Vortrag über dieses faszinierende Raubtier und die JuNas sind jetzt bestimmt alle richtige Otterfans. Wir freuen uns schon auf weitere informative Vorträge unserer JuNas.
Die Veranstaltungen der Jungen Naturwächter in der Naturschutzstation (Adelsbergstr. 192) finden in Kooperation des Umweltamtes der Stadt Chemnitz und der BUND Regionalgruppe Chemnitz statt.