BUND Regionalgruppe Chemnitz
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08.05.2026 Stadtnatur im Blick: Vogelzählung mit den Jungen Naturwächtern (AK)

 (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Anlässlich der bundesweiten Aktion „Stunde der Gartenvögel“ 2026 des Naturschutzbund Deutschland (NABU) trafen sich die Jungen Naturwächter des Aufbaukurses an diesem Tag gemeinsam mit dem Ornithologen Kai Schaarschmidt in der Naturschutzstation, um die Vogelwelt im Chemnitzer Stadtteil Gablenz zu erkunden. Trotz regnerischen Wetters waren acht JuNas und ein Vater zur Vogelzählung gekommen. Ausgestattet mit Ferngläsern, Zählbögen und Bestimmungsbüchern ging es auf Entdeckungstour. Zunächst wurde sich in der Naturschutzstation umgesehen – und für angehende Ornithologen ganz wichtig: auch genau hingehört. Denn viele Vogelarten lassen sich zunächst am Gesang erkennen, bevor sie überhaupt sichtbar werden. So wurden Kai und Ben aufmerksam auf den Ruf des Sommergoldhähnchens, einem der kleinsten Vögel Deutschlands, das sich meist in der Blaufichte des Nachbargrundstücks aufhält. Leider ließ es sich an diesem Tag jedoch nicht blicken und auch nicht anlocken.

 (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Unser Ornithologe beantwortete viele Fragen der JuNas und sorgte mit spannenden Fakten rund um das Leben und Brüten der Vögel immer wieder für großes Staunen.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Als nächstes wollten die JuNas natürlich die brütende Ente im Garten sehen. Da wir sie jedoch nicht zu sehr stören wollten, mussten alle besonders leise sein und ausreichend Abstand halten. So war sie mit bloßem Auge kaum zu erkennen, weshalb Kai im Vorfeld bereits sein Spektiv ausgerichtet hatte, damit alle das Entenweibchen gut beobachten konnten. Immer wieder staunten die JuNas über die hervorragenden Tarnfähigkeiten des braunen Gefieders, das die Ente nahezu mit ihrer Umgebung verschmelzen ließ. Dieser Effekt ist überlebenswichtig, da er Nesträuber – sogenannte Prädatoren – daran hindert, das Entenweibchen und das Nest frühzeitig zu entdecken. Wie schnell das dennoch gehen kann, zeigte bereits eine Beobachtung vor zwei Jahren mit der Wildtierkamera: Damals hatte eine Ente im Komposthaufen gebrütet, das Gelege wurde jedoch leider von einem Steinmarder entdeckt und geplündert. Umso gespannter sind wir, wie sich die Brut in diesem Jahr entwickelt – und ob die Tarnung diesmal ausreicht, um den Nachwuchs erfolgreich auszubrüten.

 (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Dank der Expertise unseres Ornithologen erhielten die JuNas spannende Einblicke in das Brutgeschehen der Vögel.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
 (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Rund um die Naturschutzstation gab es für die JuNas jede Menge zu entdecken. Besonders aktiv waren an diesem Nachmittag die Stare, die unermüdlich Nahrung zu ihren Jungen brachten. Dabei konnten die Nachwuchsnaturschützer beobachten, wie die Vögel Nisthilfen, aber auch alte Fassadenhöhlen nutzten, die ursprünglich von Buntspechten geschaffen worden waren – ein Phänomen, das immer wieder zu Konflikten mit Hausbesitzern führt. Auch sogenannte „Taubenabwehrstacheln“ an Gebäudevorsprüngen fielen den JuNas ins Auge. Solche Vorrichtungen mussten die Jungen Naturwächter bereits bei mehreren Müllsammelaktionen entfernen. Viele Hausbesitzer versuchen mit unterschiedlichen Methoden, Spechte vom Bearbeiten der Fassaden oder Tauben vom Brüten abzuhalten. Wie die JuNas selbst feststellen konnten, zeigen diese Maßnahmen jedoch oft nur wenig Wirkung – die Vögel finden meist trotzdem einen geeigneten Platz.
Für besondere Aufregung sorgte plötzlich eine Wacholderdrossel, die laut schimpfend eine vorbeifliegende Rabenkrähe verfolgte. Unser Ornithologe erklärte den JuNas, dass dieses Verhalten „Hassen“ genannt wird. Viele kleinere Vogelarten versuchen so, mögliche Feinde und Nesträuber von ihren Brutplätzen fernzuhalten.
Doch nicht nur mit den Augen, sondern auch mit den Ohren wurde beobachtet: Aus allen Richtungen waren Vogelstimmen zu hören. Gemeinsam lauschten die JuNas den verschiedenen Gesängen und versuchten herauszufinden, welche Arten sich dahinter verbargen. Mit Unterstützung unseres erfahrenen Ornithologen gelang es immer wieder, die passenden Vögel in den Bäumen und Sträuchern zu entdecken. Zwischen den Beobachtungen blieb natürlich auch Zeit für Fragen, spannende Geschichten aus der Vogelwelt und viele interessante Fakten rund um Brutpflege, Revierverhalten und das Leben heimischer Gartenvögel.

Alle Beobachtungen wurden sorgfältig erfasst.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
 (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Mit der Unterstützung unseres erfahrenen Ornithologen konnten die JuNas viele Vogelarten sicher bestimmen und spannende Beobachtungen machen.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
 (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Mit Ferngläsern und Spektiv konnten die Jungen Naturwächter an diesem Tag zahlreiche Vögel beobachten.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
 (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Naturbeobachtung mit Erfolg: JuNas entdecken neue Dohlenkolonie im Stadtgebiet

Eine Dohle schaut aus ihrer Nisthilfe heraus und beobachtet die Jungen Naturwächter.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Unser Vogelbeobachtungstrupp sorgte bei den Anwohnern zunächst für einiges Staunen – doch die JuNas ließen sich davon nicht beirren und setzten ihre Suche nach weiteren Vogelarten konzentriert fort. An einer Wohnblockfassade, an der verschiedene Nisthilfen angebracht waren, machten sie schließlich eine spannende Entdeckung: Dort brüteten mehrere Paare der Dohle. Laut Kai handelt es sich dabei um eine bisher nicht bekannte Kolonie, die vermutlich erst seit kurzer Zeit besteht. Damit leistete die JuNa-Vogelzählaktion einen wichtigen Beitrag zur Erfassung dieses neuen Vorkommens und zur Dokumentation der Wirksamkeit von Nisthilfen im städtischen Raum. Eine von vielen Aufgaben, die zeigt, wie wertvoll genaue Naturbeobachtung für den praktischen Naturschutz ist.

Mehrfach konnten die Jungen Naturwächter das Ein- und Ausfliegen der Dohlen beobachten.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Seltene Farbspiele: Was steckt hinter schwarz-weißen Amseln?

 (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Auf dem Rückweg zur Naturschutzstation vernahm unser Vogelbeobachtungstrupp plötzlich einen besonders schönen Vogelgesang. Sofort wollten die JuNas wissen, welcher Vogel so melodisch singen konnte. Mit Unterstützung unseres Ornithologen stellte sich schnell heraus, dass der Gesang von einer Singdrossel stammte. Mit ihren abwechslungsreichen und oft wiederholten Strophen sorgte sie für ein echtes Highlight zum Abschluss unserer Vogelzählung. 
Zurück an der Naturschutzstation warteten nicht nur die Eltern auf die Gruppe, sondern auch ein männlicher Hausrotschwanz, der natürlich ebenfalls noch schnell auf dem Zählbogen notiert wurde.
Beim gemeinsamen Abschluss zeigte uns eine JuNa-Familie außerdem Fotos einer schwarz-weiß gefärbten Amsel, die sie im Urlaub entdeckt hatte. Bereits zuvor hatten wir bei den beobachteten Rabenkrähen gemeinsam mit Kai über solche auffälligen Farbabweichungen gesprochen. Dieses Phänomen wird als Leuzismus bezeichnet. Dabei fehlen den Tieren teilweise die dunklen Farbpigmente, wodurch weiße Flecken entstehen oder das Gefieder sogar nahezu vollständig weiß erscheinen kann.
Das Gegenteil davon nennt man Melanismus. In diesem Fall besitzen Tiere besonders viele dunkle Pigmente und erscheinen dadurch deutlich dunkler oder sogar vollständig schwarz. Solche ungewöhnlichen Farbabweichungen werden allgemein als Aberrationen bezeichnet. Dazu zählen beispielsweise der Leuzismus mit weißen Gefiederbereichen oder der Melanismus, bei dem Tiere besonders dunkel gefärbt sind.
Dass solche Tiere manchmal selbst moderne Technik verwirren können, zeigte auch eine lustige Beobachtung von Ben: Als er ein weißes Eichhörnchen mit einer KI-App bestimmen wollte, wurde daraus kurzerhand ein Hauskaninchen.

Ein melanistisches Eichhörnchen in einem Gehege des Freizeitparks Possen bei Sondershausen in Thüringen.  (B. Fanke / B. Franke (BUND RG Chemnitz))
Ein melanistisches Eichhörnchen in einem Gehege des Freizeitparks Possen bei Sondershausen in Thüringen.  (B. Franke / B. Franke (BUND RG Chemnitz))

Ein herzliches Dankeschön an unseren Ornithologen für die fachkundige Begleitung dieser spannenden Vogelzählung. Es war erneut ein erlebnisreicher Nachmittag, bei dem die Jungen Naturwächter nicht nur viel über die heimische Vogelwelt lernen konnten, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Erfassung von Artenvorkommen im Chemnitzer Stadtgebiet leisteten. Unsere Beobachtungen sind zudem bei naturgucker.de einsehbar und fließen dort in die gemeinsame Dokumentation der Biodiversität ein.

Die Veranstaltungen der Jungen Naturwächter in der Naturschutzstation (Adelsbergstr. 192) finden in Kooperation des Umweltamtes der Stadt Chemnitz und der BUND Regionalgruppe Chemnitz statt.