BUND Regionalgruppe Chemnitz
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25.04.2025 Osterferienexkursion: Dem Feuersalamander auf der Spur

Spannende Osterferienexkursion der Jungen Naturwächter Chemnitz

Startpunkt unserer Feuersalamander-Exkursion war des beeindruckende Hetzdorfer-Viadukt bei Oederan.  (M. Fanghänel / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Auch in diesem Jahr unternahmen die Jungen Naturwächter Chemnitz wieder eine spannende Exkursion in den Osterferien. Nachdem wir im vergangenen Jahr dem Wolf und Luchs im Vogtland auf der Spur waren, führte uns die diesjährige Tour nach Hetzdorf bei Oederan. Ausgerüstet mit Taschenlampen und Wanderrucksäcken machten wir uns gemeinsam mit der Feuersalamanderexpertin Heidi Enderlein vom BUND Landesverband Sachsen auf die Suche nach dem sagenumwobenen Feuersalamander und dessen Larven. Diese Art leidet stark unter dem Verlust ihres Lebensraumes, denn sie benötigt intakte Mischwälder in Mittelgebirgslagen mit klaren, sauberen Bachläufen. Zudem breitet sich in den letzten Jahren vermehrt die sogenannte „Salamanderpest“ aus – ein für Amphibien gefährlicher Hautpilz (Bsal), der die heimischen Salamanderbestände zusätzlich bedroht. Auch der Straßenverkehr und der vom Menschen verursachte Klimawandel tragen zum Rückgang dieser faszinierenden Amphibienart bei. Im Rahmen eines vom Freistaat Sachsen finanzierten Projekts haben Heidi Enderlein und ihr Kollege in den letzten Jahren die Salamanderbestände in verschiedenen Landkreisen erfasst, um Rückschlüsse auf die Gefährdung dieser Art ziehen zu können. Eine außergewöhnliche Aufgabe, die weit über einen normalen Beruf hinausgeht – denn sie erfordert nächtliche Einsätze bei Regen, wenn die Tiere aktiv sind. Deshalb startete auch unsere Exkursion in den frühen Abendstunden. Und wir hatten Glück: Am Tag zuvor hatte es ordentlich geregnet – ideale Bedingungen für unsere Entdeckungstour. 

Um zu verhindern, dass wir unabsichtlich die "Salamanderpest" in Sachsen verbreiten, war zuvor eine Desinfektion der Schuhe aller Teilnehmenden notwendig.  (M. Fanghänel / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Bevor es richtig losgehen konnte, stand zunächst die Desinfektion der Schuhe auf dem Programm. Die Teilnehmer aus Chemnitz trafen sich dafür im Büro der BUND-Regionalgruppe Chemnitz. Alle anderen desinfizierten ihre Schuhe direkt vor Ort. Dabei wurde noch einmal auf den für Amphibien gefährlichen Bsal-Hautpilz hingewiesen. In anderen Bundesländern hat dieser Pilz bereits Feuersalamander und andere Amphibien befallen – eine weitere Verbreitung soll unbedingt verhindert werden. Im Vorfeld hatte Heidi Enderlein die nötige Genehmigung für die Exkursion sowohl bei der Unteren Naturschutzbehörde als auch bei der Waldbesitzerin eingeholt. Schließlich darf man eine geschützte Art nicht einfach so suchen oder mit einer größeren Gruppe privaten Grund betreten. An dieser Stelle möchten wir allen beteiligten Personen und Institutionen herzlich danken. Dank ihrer Unterstützung bekamen die Jungen Naturwächter die Gelegenheit, endlich einmal echte Feuersalamander oder deren Larven in ihrem natürlichen Lebensraum kennenzulernen.

 (M. Fanghänel / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Biberfraßspuren am Ufer der Flöha.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
 (M. Fanghänel / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Wie der Name schon verrät, findet man den Gefleckten Weidenblattkäfer (Chrysomela vigintipunctata) eigentlich eher an Weide. Aber die Jungen Naturwächter fanden ihn auf den Knoblauchsrauken unter den eigentlichen Fraßbäumen.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
 (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Die Knoblauchsrauke ist eine typische Frühjahrspflanze und wurde in früheren Zeiten as Gewürzpflanze und auch in der Medizin verwendet. Sie ist eine wichtige Fraßpflanze für die Raupen des Aurorafalters (Anthocharis cardamines) und faszinierte auch die Jungen Naturwächter sehr.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
 (M. Fanghänel / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Bereits auf dem Weg zum Lebensraum der Feuersalamander gab es für die JuNas und ihre Eltern viel zu entdecken.
Am Ufer der Flöha waren die Spuren eines Bibers unübersehbar. Die Knoblauchsrauke stand in voller Blüte, und auf ihren Blüten tummelten sich zahlreiche rötliche Käfer mit schwarzen Streifen. Selbst an unserer Kleidung wurden die JuNas fündig: Immer wieder entdeckten sie schwarze Fliegen – manche mit riesigen Glubschaugen, andere mit winzig kleinen Äuglein. Zum Glück war unser Insektenexperte Ben dabei. Er erklärte uns nicht nur, dass es sich bei den Käfern um Gefleckte Weidenblattkäfer (Chrysomela vigintipunctata) handelt, sondern auch, dass die schwarzen Fliegen sogenannte Haarmücken sind. Diese Frühjahrsinsekten werden auch Märzfliegen (Bibio marci) genannt – und nur die Männchen besitzen die auffällig großen Augen. Natürlich erfuhren die JuNas auch etwas über das historische Viadukt und über die wunderschöne Gegend. Anschließend ging es unter dem Viadukt hindurch, und viele waren überrascht, wie deutlich dort das Echo unter den Bögen zu hören war. Um auf das Viadukt hinaufzugelangen, mussten alle ein paar steile Stufen erklimmen. Doch der Aufstieg wurde belohnt: Mit einem herrlichen Blick über das Flöhatal und einem traumhaften Sonnenuntergang. Beeindruckt von der schönen Wandergegend war die Stimmung entsprechend großartig. Viele nahmen sich fest vor, hier einmal mit der ganzen Familie wandern zu gehen. Da es noch etwas bis zur Dämmerung dauerte, ließen sich alle zu einem gemütlichen Picknick nieder. Die Zeit nutzte Heidi Enderlein, um den Teilnehmenden weitere spannende Informationen über die Besonderheiten des Feuersalamanders zu vermitteln.

 

 (M. Fanghänel / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
 (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
 (M. Fanghänel / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Vorsichtig wurden Wassermulden von den Jungen Naturwächtern nach Salamanderlarven abgesucht.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Mit der einsetzenden Dämmerung stieg bei den JuNas nun endgültig die Spannung: Werden wir tatsächlich Feuersalamander und deren Larven finden? Schnell noch die letzten Sicherheitshinweise – und schon konnte das Abenteuer Nachtwanderung beginnen.

Die Taschenlampen kamen zum Einsatz, und alle suchten in geeignet erscheinenden Gewässermulden (Kolken) nach Larven und an den Felswänden nach adulten Salamandern. Zunächst zeigte sich nur ein subadulter Grasfrosch. Doch schon nach kurzer Zeit entdeckte unsere erfahrene Exkursionsleiterin die erste Larve – viele mussten zweimal hinschauen, um sie überhaupt zu erkennen. Schließlich muss man erst wissen, wonach man sucht, und die Larven sind hervorragend an ihre Umgebung angepasst.

Nun wollten alle selbst einmal eine Larve finden – und tatsächlich: Zur Freude aller entdeckten wir immer mehr von den kleinen Wasserdrachen. Für alle war diese Nachtwanderung ein spannendes Abenteuer. Nur ein adulter Salamander ließ noch auf sich warten.

Dafür wechselten wir zum eigentlichen Ziel: einem kleinen Bachlauf. Auch hier fanden wir zunächst zahlreiche Larven – und viele andere Bachbewohner. Die Stimmung war gut, und alle hofften weiterhin auf den großen Fund. Zum Glück hatten wir unsere Expertin dabei: Sie wusste genau, wo sie suchen musste – und tatsächlich entdeckte sie einen vorsichtig aus einer Baumwurzel hervorschauenden Feuersalamander.

Die Freude war riesig, auch wenn das Versteck am steilen Hang die Beobachtung erschwerte. Damit ihn alle gefahrlos für Mensch und Tier betrachten konnten, wurde er vorsichtig auf die Hand genommen. Natürlich hätte ihn jeder gerne selbst einmal gehalten, doch dafür braucht es eine Ausnahmegenehmigung der Unteren Naturschutzbehörde. Im Rahmen des Monitorings verfügte Heidi Enderlein über diese Genehmigung – so konnte jeder das Tier zumindest mal aus nächster Nähe betrachten und sogar ein Foto machen. Es wurde vermessen und anschließend schnellstmöglich wieder an seinen Fundort zurückgebracht.

Ein unvergesslicher Moment für alle JuNas und ihre Eltern.
Wir hoffen sehr, dass das Feuersalamanderprojekt trotz der knappen Haushaltsmittel fortgeführt werden kann. Denn es trägt nicht nur zur Bestandserfassung bei, sondern sensibilisiert auch die Gesellschaft für den Schutz dieser bedrohten Art.

Mehr Infos zum Feuersalamanderprojekt findet ihr hier auf der Projektwebsite des BUND Landesverband Sachsen.

Nachts im Wald mit der Taschenlampe ist Abenteuer pur für die Jungen Naturwächter. Mal schauen, was wir in den nächsten Osterferien spannendes unternehmen.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Eine der vielen Larven des Feuersalamanders, welche die Jungen Naturwächter bei ihrer nächtlichen Exkursion nahe Hetzdorf entdecken konnten. Die arttypischen gelben Flecken auf Gliedmaßen sind deutlich zu erkennen.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Zwar kein Feuersalamander, aber dennoch spannend: Während der Exkursion entdeckten die Jungen Naturwächter auch mehrere subadulte Grasfrösche (Rana temporaria). Auch ihre Bestände sind in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen – umso erfreulicher war dieser Fund für die aufmerksamen jungen Naturbeobachter.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Endlich ein Feuersalamander. Dieses Erlebnis wird den Jungen Naturwächter wohl für immer im Gedächtnis bleiben.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Dank unserer Expertin sahen die Jungen Naturwächter an diesem Abend auch einen adulten Feuersalamander. Zum Schutz des Tieres trug sie Nitrilhandschuhe – wichtig, um eine Übertragung des Bsal-Pilzes zu vermeiden.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Vielen Dank an Heidi Enderlein vom BUND Sachsen für die spannende Exkursion zur nächtlichen Stunde. Unser Dank gilt auch der Unteren Naturschutzbehörde des LK Mittelsachsens und der Waldbesitzerin für die Genehmigungen.