(B. Franke
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Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Am Brückentag nach Christi-Himmelfahrt hieß es für eine kleine Gruppe der Jungen Naturwächter im Aufbaukurs: Gummistiefel an und auf nach Chemnitz-Adelsberg! Dort erwartete die JuNas eine spannende Gewässeruntersuchung im Rahmen des FLOW-Projekts. Ziel dieses Projekts ist es, Schülerinnen und Schüler für den Lebensraum Fließgewässer zu begeistern und gemeinsam den ökologischen Zustand von Bächen und Flüssen wissenschaftlich zu untersuchen. Dabei lernen die Teilnehmenden, welche Faktoren für gesunde Gewässer wichtig sind und wie menschliche Eingriffe diese beeinflussen.
Organisiert und durchgeführt wurde die Veranstaltung von Herrn Jung und Frau Arnold, die sich ehrenamtlich im FLOW-Projekt engagieren und so Kindern und Jugendlichen die Bedeutung unserer Fließgewässer näherbringen. Aufgabe der JuNas war es an diesem Tag, einen etwa 100 Meter langen Abschnitt des Gablenzbaches im Stadtteil Adelsberg hinsichtlich seiner Wasserqualität zu untersuchen. Dafür hatte Herr Jung im Vorfeld eine geeignete Untersuchungsstelle ausgewählt. Treffpunkt war an der Gaststätte „Zur Turnhalle“, direkt am Bachabschnitt.
Ob die Veranstaltung überhaupt stattfinden konnte, war zunächst unklar. In den Tagen zuvor hatte es stark geregnet und die Wetterprognosen waren alles andere als eindeutig. Doch schließlich zeigte sich das Wetter deutlich freundlicher als erwartet und die Untersuchung konnte wie geplant durchgeführt werden.
Gewässer unter der Lupe – Erfassung der Gewässerstrukturgüte
(B. Franke
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Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Zu Beginn wurden die JuNas zunächst mit den Aufgaben des Tages vertraut gemacht. Gemeinsam erfassten sie anschließend die sogenannte Gewässerstrukturgüte des Bachabschnitts. Dabei wurden unter anderem das Umfeld und die Nutzung der umliegenden Flächen, die Laufentwicklung des Baches, Quer- und Längsprofil, die Sohlstruktur sowie die Gestaltung der Ufer untersucht.
Schon hierbei erfuhren die JuNas viele spannende Dinge über heutige Fließgewässer, ihre Dynamik und ihre wichtige Funktion für Natur und Klima. Besonders deutlich wurde, dass kaum ein Gewässer im urbanen Raum noch vollständig natürlich ist. Viele Uferbereiche sind befestigt oder künstlich gestaltet. Mit sogenannten Störsteinen oder Grundschwellen wird die Fließgeschwindigkeit des Wassers beeinflusst, um unterschiedliche Strömungsbereiche zu schaffen. So soll einerseits bei Starkregen möglichst viel Wasser abgeführt werden können, andererseits darf das Wasser in normalen Zeiten nicht zu schnell abfließen. Das ist wichtig für den Wasserhaushalt, das lokale Klima und die Artenvielfalt. Nachdem die Gewässerstrukturgüte aufgenommen worden war, begann endlich der praktische Teil der Untersuchung und die Gruppe wurde in zwei Teams aufgeteilt.
(B. Franke
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Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
(B. Franke
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Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
(B. Franke
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Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Untersuchung chemisch-physikalischer Wasserwerte
(B. Franke
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Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Eine Gruppe widmete sich nun den chemisch-physikalischen Parametern des Wassers. Unter Anleitung von Frau Arnold entnahmen zwei Junge Naturwächterinnen Wasserproben und führten verschiedene Messungen durch.
Untersucht wurden unter anderem:
- Temperatur
- elektrische Leitfähigkeit
- pH-Wert
- Gesamthärte
- Sauerstoffsättigung
- Ammonium
- Phosphat
- Nitrat
- Nitrit
Die Ergebnisse fielen für diesen Bachabschnitt insgesamt recht positiv aus. Dennoch wurde auch deutlich, dass noch immer zu viele Schadstoffe und chemische Belastungen in unsere Fließgewässer gelangen. Die Ursachen dafür sind vielfältig und reichen weit über die Landwirtschaft hinaus.
(B. Franke
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Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Mit Kescher und Gummistiefeln auf Makrozoobenthos im Bach
Auf der Suche nach kleinen Gewässerbewohnern: Die JuNas lernten die Kick-Methode zur Untersuchung des Makrozoobenthos kennen.
(B. Franke
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Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Besonders spannend wurde es anschließend bei der Untersuchung des sogenannten Makrozoobenthos – also der am Gewässerboden lebenden Kleintiere. Diese Organismen sind wichtige Zeigerarten und verraten viel über den Zustand eines Gewässers. Zu den wichtigsten gefundenen Bachbewohnern gehörten unter anderem Eintagsfliegenlarven, Köcherfliegenlarven, Steinfliegenlarven, Egel sowie verschiedene Schnecken und Käferlarven.
Nun durften die JuNas endlich selbst in den Bach steigen und mit Keschern auf Entdeckungstour gehen. Dabei lernten sie gleich zwei unterschiedliche Methoden kennen: Bei der sogenannten Kick-Methode wird der Kescher auf dem Gewässergrund positioniert und anschließend mit dem Fuß vorsichtig Sediment und kleine Tiere hineingespült. Zusätzlich kam das Sediment-Sieben zum Einsatz. Für die dritte Methode – das Absuchen und Umdrehen von Steinen – reichte die Zeit leider nicht mehr aus.
Natürlich nutzten die JuNas die Gelegenheit auch, um weitere Tiere und Pflanzen im und am Bach zu beobachten. Dabei entdeckten sie unter anderem Erdkröten-Kaulquappen, Bachläufer, verschiedene Schnecken, Käfer und weitere Insektenarten. Auch einige Pflanzen am Ufer weckten das Interesse der Gruppe und wurden direkt mithilfe von Bestimmungsapps bestimmt.
(B. Franke
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Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Mit der Becherlupe konnten die JuNas einen Großen Bachläufer (Velia caprai) aus nächster Nähe beobachten.
(B. Franke
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Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
(L. Heinrich
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Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Spannende Entdeckung am Bachrand: Auch Kaulquappen wurden von den Jungen Naturwächtern im Gablenzbach gefunden.
(L. Heinrich
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Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Ganz entspannt beobachtete ein Stockentenerpel das bunte Treiben der JuNas am Gablenzbach.
(B. Franke
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Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Kleine Bachbewohner ganz groß – Sortieren und Bestimmen
Begeistert betrachteten die JuNas die kleinen Bachbewohner unter der Lupe und entdeckten dabei die Vielfalt des Lebens im Gewässer.
(Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Nach einer kurzen Mittagspause bei inzwischen sonnigem Wetter ging es an die Auswertung der Fänge. Unterstützung erhielten die JuNas dabei von Heidi Enderlein, die sich im Rahmen des Feuersalamanderprojekts des BUND Landesverband Sachsen ebenfalls im FLOW-Projekt engagiert.
Nun wurde konzentriert sortiert, untersucht und bestimmt. Schon bald füllten sich die Schalen mit zahlreichen spannenden Bachbewohnern: Eintagsfliegenlarven, Köcherfliegenlarven – mit und ohne Köcher –, Steinfliegenlarven, Egeln und vielen weiteren kleinen Organismen. Dabei lernten die JuNas nicht nur die Namen der Tiere kennen, sondern auch, welche Arten eher saubere und naturnahe Gewässer bevorzugen und welche auch mit stärker belasteten Bedingungen zurechtkommen.
So wurde an diesem Tag einmal mehr deutlich, wie faszinierend und zugleich empfindlich unsere Fließgewässer als Lebensraum sind – und wie wichtig ihr Schutz für Mensch und Natur bleibt.
Kleine Auswahl der gefundenen Makrozoobenthos im Gablenzbach Chemnitz-Adelsberg
Zwei Schwanzanhänge sind typisch für Steinfliegenlarven – auch wenn dieser Larve offenbar ein Anhängsel fehlt.
(B. Franke
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Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Die Köcherfliegenlarve schützt sich mit einem kunstvoll gebauten Köcher aus Sand, Steinen und Pflanzenresten.
(B. Franke
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Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Auch diese Hydropsyche-Köcherfliege (Hydropsyche indet.) wurde im Gablenzbach entdeckt – eine räuberische Art ohne schützenden Köcher.
(B. Franke
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Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Typisches Erkennungsmerkmal: Die drei langen Schwanzanhänge dieser Larve weisen auf eine Eintagsfliege hin.
(B. Franke
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Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Die großen Turbanaugen verraten: Hier handelt es sich um ein Männchen einer Baetis-Eintagsfliege.
(B. Franke
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Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Auch Regenwürmer und Nacktschnecken fanden sich überraschenderweise in den Untersuchungsschalen der JuNas wieder.
(B. Franke
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Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Eine Schnakenlarve (Tipula indet.) zählt ebenfalls zu den kleinen Bewohnern des Gablenzbaches.
(B. Franke
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Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Im Uferbereich des Gablenzbaches entdeckten die Jungen Naturwächter eine bereits geschlüpfte Kohlschnake (Tipula oleracea).
(B. Franke
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Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Auch Egel gehören zu den Bewohnern unserer Gewässer – und wie die JuNas lernten, verschwinden sie gerne einmal unbemerkt aus den Untersuchungsschalen.
(B. Franke
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Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Mit offenen Augen am Bach unterwegs – Weitere spannende Funde
Beerenwanze (Dolycoris baccarum)
(B. Franke
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Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Gewöhnliche Streckerspinne (Tetragnatha extensa)
(B. Franke
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Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Lederwanze (Coreus marginatus)
(B. Franke
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Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Zweifleckiger Zipfelkäfer (Malachius bipustulatus)
(B. Franke
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Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Zimtwanze (Corizus hyoscyami)
(B. Franke
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Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Ein herzlicher Dank gilt Herrn Jung, Frau Arnold und Heidi Enderlein für ihr großes ehrenamtliches Engagement und die spannende Begleitung dieses erlebnisreichen Tages am Gablenzbach. Ebenso bedanken wir uns bei der Gaststätte „Zur Turnhalle“ für die freundliche Unterstützung und die Möglichkeit, den Untersuchungsstandort direkt vor Ort nutzen zu können. Durch diesen gemeinsamen Einsatz konnten die Jungen Naturwächter den faszinierenden Lebensraum Fließgewässer hautnah entdecken und wertvolle Einblicke in die Gewässerforschung gewinnen.
Glück gehabt: Alle Untersuchungen konnten trocken durchgeführt werden. Der Regen wartete geduldig bis nach dem Abschlussfoto.
(Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Projektziele FLOW: Fließgewässer erforschen - gemeinsam Wissen schaffen
Ziel des Projekts ist es, das gesellschaftliche Bewusstsein für die Bedeutung, den Zustand und den Schutz von Fließgewässern zu stärken. Gleichzeitig werden Wissen und praktische Fähigkeiten im Fließgewässermonitoring vermittelt – durch anschauliches Lernmaterial, praktische Schulungen sowie den Austausch zwischen Teilnehmenden, Wissenschaftler:innen und Fachleuten. Perspektivisch sollen zudem gemeinsam konkrete Maßnahmen zur naturnahen Entwicklung von Bächen geplant und umgesetzt werden – in Zusammenarbeit mit Teilnehmenden, Verbänden, Behörden und Flächenverantwortlichen vor Ort.
Die Veranstaltungen der Jungen Naturwächter in der Naturschutzstation (Adelsbergstr. 192) finden in Kooperation des Umweltamtes der Stadt Chemnitz und der BUND Regionalgruppe Chemnitz statt.