BUND Regionalgruppe Chemnitz
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17.06.2026 Artenvielfalt vor der Haustür entdecken – JuNas auf Entdeckungstour in Gablenz (GK)

Der Juni ist eine besonders spannende Zeit für junge Naturforscherinnen und Naturforscher. Überall summt, brummt und blüht es – beste Voraussetzungen also für die JuNas, die Artenvielfalt direkt vor der Haustür zu erkunden.

Auf Entdeckungstour durch die Naturschutzstation

Vom schwarzen Raupenstadium zum farbenprächtigen Schmetterling: Linda zeigt den Jungen Naturwächtern mithilfe der Bildungstafel die spannende Entwicklung des Tagpfauenauges.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND CHemnitz)

Zu Beginn unserer Veranstaltung schauten wir uns zunächst auf dem Gelände der Naturschutzstation um. Natürlich durfte dabei auch ein Besuch bei den Brennnesseln nicht fehlen, auf denen wir bereits vor einiger Zeit die Raupennester des Tagpfauenauges entdeckt hatten. Von den Gespinsten der jüngeren Raupen waren noch einige Reste und Häutungsreste zu erkennen. Die Raupen selbst waren inzwischen deutlich gewachsen. Linda und Ben nutzten die Gelegenheit, um den JuNas noch einmal den faszinierenden Entwicklungszyklus des Tagpfauenauges zu erklären. Dabei stellten die jungen Naturwächter schnell fest, dass die Raupen einen beachtlichen Appetit entwickelt hatten. 
Doch plötzlich wurde unsere Beobachtung durch ein spannendes Naturschauspiel unterbrochen: Zwei Feldwespen tauchten auf und attackierten wiederholt die Tagpfauenaugenraupen. Diese versuchten sich mit heftigen, zuckenden Bewegungen gegen die Angriffe zu wehren. Auch ihre auffälligen Dornen auf dem Rücken dienen als Schutz vor Fressfeinden und sollten die Angreifer abschrecken. Dennoch gelang es einer der Wespen, eine Raupe blitzschnell zu überwältigen. Vor den Augen der staunenden JuNas zerlegte sie ihre Beute anschließend in kleinere, transportfähige Portionen und flog schließlich mit ihrer wertvollen Fracht zurück zu ihrem Nest, das sich vermutlich in der näheren Umgebung befand. So konnten die JuNas eindrucksvoll erleben, dass die Natur nicht nur wunderschön und faszinierend, sondern auch von komplexen Räuber-Beute-Beziehungen geprägt ist.

Raupen des Tagpfauenauges (Aglais io) auf ihrer Nahrungspflanze, der Großen Brennnessel (Urtica dioica).
Die Große Brennnessel ist nicht nur für das Tagpfauenauge wichtig: Auch die Raupen der Gammaeule (Autographa gamma) nutzen sie als Nahrungspflanze. Die erwachsenen Falter lassen sich häufig beim Nektarsammeln an Blüten beobachten.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND CHemnitz)
Die Natur im Blick – die Naturschutzstation als Ort spannender Entdeckungen.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Auch dieser Scheckhorn-Distelbock (Agapanthia villosoviridescens) blieb Lindas aufmerksamem Blick nicht verborgen. Seine Larven leben gut geschützt im Inneren von Pflanzenstängeln – unter anderem in denen der Großen Brennnessel – und verpuppen sich dort.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND CHemnitz)
Im Detail beobachtet: Eine Haus-Feldwespe zerlegt ihre Raupenbeute.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Ein beeindruckendes Naturschauspiel am Teich: Dutzende Tandems der Hufeisen-Azurjungfer (Coenagrion puella) waren mit der Eiablage beschäftigt.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND CHemnitz)

Unterwegs auf Naturerkundung in Gablenz

Ein spannender Moment bei der Schmetterlingssuche: Die JuNas sind neugierig – welcher Falter hat sich hier wohl eingefunden?  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Ein Blick auf das Baumaterial der Stieglitze: Mit den feinen Pappelsamen vor der Grundschule Gablenz haben sie ihr Nest kuschelig weich ausgepolstert.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND CHemnitz)

Bei dem schönen Sommerwetter beschlossen wir anschließend, die Naturschutzstation für einen kleinen Ausflug zu verlassen. Unser erster Halt war die neue Blühwiese vor der Naturschutzstation. Dort entdeckten wir bereits einen spannenden Falter: den Ockergelben Blattspanner (Camptogramma bilineata). Die JuNas betrachteten ihn aus nächster Nähe, bevor wir ihn gemeinsam wieder in die Freiheit entließen. Danach führte uns unser Weg zum Stieglitznest vor der Grundschule Gablenz, das wir bereits während der Stunde der Gartenvögel im Mai entdeckt hatten. Tatsächlich war das Nest noch vorhanden, auch wenn es inzwischen nicht mehr bewohnt war. So konnten die JuNas genau untersuchen, wie kunstvoll die Stieglitze ihr Nest gebaut und ausgepolstert hatten. Besonders beeindruckt waren sie davon, wie weich das Innere ausgekleidet war. Als Nistmaterial hatten die Stieglitze unter anderem die feinen Samenhaare der Pappeln verwendet, die zu dieser Jahreszeit überall als kleine weiße Flocken durch die Luft schweben.

Neugierig betrachten die Jungen Naturwächter das kunstvoll gebaute und weich ausgekleidete Nest eines Stieglitzes.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Filigran, stabil verankert und weich ausgepolstert – dieses kunstvoll gebaute Stieglitznest wurde geschickt zwischen den Zweigen befestigt.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Blühflächen für mehr Artenvielfalt: Das Archebeet – ein Jahr später

 (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND CHemnitz)

Unser nächstes Ziel war der Bürgerpark Gablenz. Dort besuchten wir das sogenannte „Archebeet“, das im vergangenen Jahr von der Bürgerinitiative, der Bürgerplattform Mitte-Ost, der Carlowitz-Gesellschaft und dem Naturgarten e. V. angelegt worden war. Einige unserer JuNas hatten damals bereits bei der Einsaat und beim ersten Angießen tatkräftig mitgeholfen. 
Ein Jahr später konnten sie nun selbst erleben, wie sich die Fläche zu einem farbenfrohen Blütenmeer entwickelt hat und welchen wichtigen Beitrag solche Blühflächen für die Insektenvielfalt leisten. Die Artenvielfalt ließ nicht lange auf sich warten: Die JuNas entdeckten unter anderem Heupferdlarven, Bockkäfer, Wildbienen und verschiedene Schwebfliegen. Gemeinsam wurden die Tiere beobachtet, ihre Merkmale besprochen und spannende Einblicke in ihre Lebensweise gewonnen – gut, dass Ben bei den zahlreichen Insektenfragen mit seinem Fachwissen weiterhelfen konnte. 
Besonders schön war für die JuNas die Entdeckung, dass auch die von ihnen im vergangenen Jahr liebevoll und kreativ gestalteten Steine noch immer das Archebeet schmücken und an ihren eigenen Beitrag zu diesem Projekt erinnern.
Das Archebeet ist weit mehr als ein farbenfroher Blickfang im Einheitsgrün des Bürgerparks: Es bietet zahlreichen Tieren, Pflanzen und Pilzen einen wertvollen Lebensraum und zeigt, wie kleine naturnahe Flächen einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Artenvielfalt leisten können. Gleichzeitig bereichert es den Bürgerpark und lädt Besucherinnen und Besucher sowie Anwohnerinnen und Anwohner dazu ein, die Vielfalt der Natur direkt vor ihrer Haustür zu erleben.

Entdecken, bestimmen, staunen: Artenvielfalt im „Archebeet“

Mit Becherlupen und viel Neugier erkundeten die JuNas die faszinierende Welt der kleinen Krabbler.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND CHemnitz)
Auch die Gemeine Narzissenschwebfliege (Merodon equestris) ließ sich im Archebeet entdecken. Während die erwachsenen Tiere Blüten besuchen, entwickeln sich ihre Larven gut geschützt in den Zwiebeln von Narzissengewächsen.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND CHemnitz)
Zwischen den Blüten der Färber-Hundskamille (Cota tinctoria) entdeckten die JuNas diese Heupferdlarve – ein kleiner Bewohner des blühenden Archebeets.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND CHemnitz)
Auch der Vierbindige Schmalbock (Leptura quadrifasciata) zeigt die enge Verbindung verschiedener Lebensräume: Seine Larven leben im Totholz, während die erwachsenen Käfer auf Blüten nach Nahrung suchen.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND CHemnitz)
Die Vielfalt des Archebeets zeigt sich auch im Kleinen: Ein Braunrötlicher Spitzdeckenbock (Stenopterus rufus) nutzt die blühende Fläche als Lebensraum.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND CHemnitz)
Blühflächen wie das „Archebeet“ im Bürgerpark Gablenz sind für die Umweltbildung besonders wertvoll: Hier können die JuNas Artenvielfalt beobachten, Zusammenhänge verstehen und ihre Artenkenntnis erweitern.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND CHemnitz)

Ein seltener Gast als krönender Abschluss im Bürgerpark

 (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Ein besonderer Fund mitten im Bürgerpark Gablenz: der Resedafalter (Pontia edusa), eine in unserer Region nicht alltägliche Schmetterlingsart.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Auf dem Rückweg legten wir auf dem Sportplatz noch einen kurzen Zwischenstopp für ein Erinnerungsspiel ein. Wer den Ball zugeworfen bekam, sollte eine Tier- oder Pflanzenart nennen, die wir an diesem Tag oder bei einer früheren JuNa-Veranstaltung kennengelernt hatten. Doch mitten im Spiel sorgte plötzlich ein vorbeifliegender Schmetterling für Aufregung. Da wir den Schmetterlingskescher zufällig dabeihatten, nahm Linda sofort die Verfolgung auf. Zu unserer Überraschung handelte es sich nicht – wie zunächst vermutet – um einen der häufigen Weißlinge, sondern um einen Resedafalter (Pontia edusa), eine deutlich seltenere Art. Ein spannender Fund mitten in Chemnitz und ein gelungener Abschluss unserer Entdeckungstour, bevor wir zur Naturschutzstation zurückkehrten.

 (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Diesen besonderen Falter wollten natürlich alle JuNas genau betrachten. Ben erklärte dabei die wichtigsten Bestimmungsmerkmale.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Wieder einmal zeigte sich: Spannende Naturbeobachtungen und besondere Entdeckungen muss man nicht in weiter Ferne suchen – oft liegen sie direkt vor unserer Haustür.

Die Veranstaltungen der Jungen Naturwächter in der Naturschutzstation (Adelsbergstr. 192) finden in Kooperation des Umweltamtes der Stadt Chemnitz und der BUND Regionalgruppe Chemnitz statt.