BUND Regionalgruppe Chemnitz
Jetzt spenden Mitglied werden
Gut gelaunt und voller Neugierde machten sich die Jungen Naturwächter auf zur Fledermauskastenkontrolle im Zeisigwald.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Am Freitag trafen sich die JuNas des Aufbaukurses im Zeisigwald zu einer ganz besonderen Veranstaltung. Gemeinsam mit dem ehrenamtlichen Fledermausexperten Holger Tippmann wollten wir die dort hängenden Fledermauskästen kontrollieren. Natürlich war auch unser ehrenamlicher Helfer Matthias Rodig mit dabei. Er kennt den Zeisigwald sehr gut und konnte mit spannenden Hintergrundinfos beitragen. Zudem hatte er seinen Fledermaus-Detektor mit, sodass wir die Rufe der kleinen Tierchen mal etwas deutlicher hören konnten - selbst wenn das aus den Lautsprechern nur noch ein Klacken ist statt dem typischen Fiepen der Fledermäuse. Holger Tippmann betreut seit vielen Jahren Fledermauskästen in der Umgebung und konnte uns dabei spannende Einblicke in die Lebensweise der Tiere geben. Für die JuNas war Holger kein Unbekannter: Schon zu Beginn des Jahres hatten wir mit ihm zusammen zwei Veranstaltungen. Damals erfuhren die Kinder in der Naturschutzstation viel Wissenswertes über die verschiedenen Arten und deren Lebensräume. Kurz darauf ging es zu den Felsendomen Rabenstein, wo wir selbst Fledermausquartiere erkundeten und beispielsweise Mops- und Fransenfledermäuse zu Gesicht bekamen.

Gar nicht so leicht, alle Fledermauskästen wiederzufinden, denn der Wald verändert sich jedes Jahr aufs Neue.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Diesmal standen also die Kästen im Zeisigwald im Mittelpunkt. Zunächst übernahm unsere älteste JuNa die Rolle der Schriftführerin: Sie hatte die Übersichtskarte dabei, auf der alle Kästen im Wald eingezeichnet waren, und hielt fest, was in jedem Kasten zu finden war. Sobald ein Kasten lokalisiert war, wurde eine Leiter angestellt. Dann kletterte jeweils ein JuNa gemeinsam mit Holger hinauf und öffnete vorsichtig die Klappe. Mit Spannung wurde hineingeschaut – sind Bewohner da oder nicht? Anschließend stieg der JuNa wieder hinab und Holger reinigte den Kasten gründlich, denn selbst wenn keine Fledermäuse darin waren, hatte sich oft eine Menge Kot angesammelt, was darauf hinwies, dass sie dennoch genutzt werden. So war jeder Kontrollpunkt zugleich eine kleine Teamarbeit, bei der alle Verantwortung übernehmen konnten. Einige Kästen sind im Lafe der Zeit abhanden gekommen. Deshal sind solche regelmäßigen Kontrollen wichtig. Insgesamt konnten wir an diesem Nachmittag fünf Große Abendsegler entdecken. Für die JuNas war es ein besonderes Erlebnis, die Tiere so nah zu sehen und dabei gleichzeitig etwas über ihre Lebensweise und Bedürfnisse zu lernen.

Hier haben die Jungen Naturwächter einen der Fledermauskästen wiederentdeckt.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Die Jungen Naturwächter Chemnitz aus der Fledermausperspektive.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
 (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
 (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
 (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
 (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
 (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Die Großen Abendsegler – unsere größten heimischen Fledermäuse

 (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Ein besonderes Highlight unseres Waldbesuchs war der Große Abendsegler – eine der größten heimischen Fledermausarten. Mit seiner kräftigen Statur und dem kastanienbraunen Fell wirkt er schon auf den ersten Blick eindrucksvoll. Wenn er dann in der Dämmerung mit bis zu 40 Zentimetern Flügelspannweite über die Baumwipfel gleitet, bekommt man eine Ahnung von seiner Eleganz. Im Sommer jagt der Abendsegler hoch in der Luft nach Käfern und Faltern. Dabei nutzt er sein Echolot, dessen Rufe man sogar noch mit dem menschlichen Ohr hören kann. Und wie Zugvögel brechen viele dieser Fledermäuse im Herbst in den Süden auf – bis nach Frankreich oder sogar Spanien. Andere bleiben hier und suchen Baumhöhlen oder Nistkästen als Winterquartier. Umso spannender war es, dass wir gleich mehrere Tiere in den Kästen entdecken konnten – ein deutliches Zeichen dafür, wie wichtig solche Verstecke in alten Bäumen und Nisthilfen für den Erhalt dieser faszinierenden Art sind. Für das Kontrollieren der Fledermauskästen braucht man natürlich eine Erlaubnis und sie sollte nicht zu oft erfolgen, schließlich werden die Tiere bei den Kontrollen auch gestört. Wenn die Tiere aufgeschreckt werden, können sie Unfälle erleiden oder sind eine leichte Beute für tagaktive Beutegreifer wie Greifvögel. Daher muss man dabei sehr vorsichtig und umsichtig vorgehen.

Einer von zahlreichen jungen Grasfröschen (Rana temporaria) im Zeisigwald. Wollen wir hoffen, dass ein Großteil von ihnen adult wird und für viel Nachwuchs sorgen kann.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Neben den Fledermäusen gab es auch am Waldboden einiges zu entdecken. Zwischen den vielen Insekten hüpften immer wieder kleine Grasfrösche (Rana temporaria) über die Wege – sodass wir gut aufpassen mussten, wohin wir traten. Dass Grasfrösche und Erdkröten im Wald unterwegs sind, ist nicht ungewöhnlich. Ihr Name verrät es schon: Sie verbringen viel Zeit abseits der Gewässer. Im kühlen, feuchten Wald sind sie besser vor Hitze und Trockenheit geschützt und finden zudem geeignete Verstecke für den nahenden Winter. Auch die Pilzwelt weckte die Neugier der Kinder. Zahlreiche verschiedene Arten wurden aufmerksam betrachtet und eifrig diskutiert – essbare waren zwar nicht darunter, doch die Freude am Entdecken blieb ungetrübt. Am Ende des Nachmittags hatten die JuNas nicht nur einen Einblick in die Arbeit eines Fledermausschützers gewonnen und einige Abendsegler beobachten können, sondern auch die Vielfalt des Waldes im Spätsommer erlebt. Jede Jahreszeit hat eben ihre besonderen Reize.

Vielen Dank an Holger und Matthias, dass sie uns beide bei dieser schönen Veranstaltung unterstützt haben!

Die Veranstaltungen der Jungen Naturwächter an der kommunalen Naturschutzstation Chemnitz (Adelsbergstraße 192) finden in enger Zusammenarbeit zwischen dem Umweltamt der Stadt Chemnitz und der BUND Regionalgruppe Chemnitz statt.