(B. Franke
/
Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
In dieser Woche drehte sich bei den Jungen Naturwächtern alles um das Thema Fledermäuse. Der langjährige Experte Reimund Francke besuchte die Gruppe in der Naturschutzstation der Stadt Chemnitz. Auch für ihn war dieser Besuch etwas Besonderes: Er kennt die Anfänge der Station und kehrte nun nach fast 30 Jahren erstmals wieder an diesen Ort zurück. Dabei erinnerte er sich an die ursprünglichen Räume des Gebäudes und zeigte sich erfreut darüber, dass die Naturschutzstation bis heute so intensiv genutzt wird und Umweltbildung hier weiterhin einen festen Platz hat. Gespannt warteten die Jungen Naturwächter auf seinen Vortrag und hörten ihm aufmerksam zu.
Eine Wasserfledermaus bei der Jagd über der Wasseroberfläche.
(B. Franke
/
Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Anhand zahlreicher eigener Fotografien und die anderer befreundeter Fledermausschützer nahm Reimund Francke die Jungen Naturwächter mit in die faszinierende Lebenswelt der Fledermäuse. Gemeinsam wurde besprochen, wie Fledermäuse im Laufe des Jahres leben: vom Winterschlaf über die Aufzucht der Jungen bis hin zur aktiven Jagd und Orientierung in der Finsternis. Besonders spannend war für die JuNas zu sehen, wie unterschiedlich Fledermäuse jagen und welche Lebensräume sie dafür nutzen. So jagt die Wasserfledermaus bevorzugt dicht über der Wasseroberfläche von Teichen und Bächen, wo sie mit ihrem Ultraschall sogar kleinste Insekten orten kann. Die Zwergfledermaus hingegen fühlt sich vor allem in Siedlungsnähe wohl und ist häufig in Gärten, an Straßenlampen oder rund um Häuser zu beobachten. Auch die Breitflügelfledermaus, eine der größeren heimischen Arten, wurde vorgestellt – sie nutzt oft Dachböden als Quartier und jagt in strukturreichen Landschaften mit Wiesen und Gehölzen.
(L. Heinrich
/
Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags war die praktische Arbeit im Fledermausschutz. Reimund Francke berichtete aus seiner Tätigkeit als Fledermauskartierer und Beringer und zeigte eindrucksvoll, wie solche Untersuchungen ablaufen. Auf Fotos konnten die Jungen Naturwächter Fangnetze und Kescher sehen, die gezielt und schonend eingesetzt werden, um Fledermäuse kurzzeitig zu fangen, zu bestimmen und anschließend wieder freizulassen. Zur Veranschaulichung hatte der Experte auch echte Fledermausringe dabei, mit denen einzelne Tiere markiert werden, um mehr über ihre Wanderungen, ihr Alter und ihre Lebensweise zu erfahren.
Besonders großes Interesse weckten die mitgebrachten Präparate verstorbener Fledermäuse. Diese boten den Jungen Naturwächtern die seltene Gelegenheit, die Tiere einmal ganz aus der Nähe zu betrachten. Dabei konnten sie Details wie Flügelbau, Ohrenform oder Zähne erkennen und besser nachvollziehen, wie stark Fledermäuse an ihre jeweilige Lebensweise angepasst sind. Schnell wurde deutlich, wie wichtig Rücksichtnahme und Schutz dieser besonderen Tiere sind, da viele Arten auf ganz bestimmte Quartiere und Jagdgebiete angewiesen sind.
Ein Junger Naturwächter brachte sogar ein eigenes verstorbenes Exemplar einer Fledermaus mit. Leider konnte auch der Fledermausexperte nicht auf Anhieb sagen, um welche Art es sich handelte, da es noch ein Jungtier war.
Aber Achtung! Fledermäuse als geschützte Arten dürfen nicht so einfach mitgenommen werden, egal ob noch lebend oder schon tot. Menschen wie Reimund Francke haben spezielle Genehmigungen, dass sie die Tiere einfangen, anfassen oder sofar pflegen dürfen.
(B. Franke
/
Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Gegen Ende der Veranstaltung konnten die Jungen Naturwächter ihr zuvor erlerntes Wissen noch einmal unter Beweis stellen. In einer gemeinsamen Übung sollten sie den Jahreszyklus der Fledermäuse in die richtige Reihenfolge bringen. Dabei ging es unter anderem um den Winterschlaf, das Erwachen im Frühjahr, die Paarung sowie die Aufzucht der Jungtiere. Schnell wurde deutlich, dass Fledermäuse ein sehr genau abgestimmtes Jahr haben. Den Winter verbringen sie in frostfreien, ruhigen Quartieren wie Höhlen, Kellern oder Felsspalten, wo sie ihren Stoffwechsel stark herunterfahren und vom im Herbst angefressenen Fettvorrat leben. Im Frühjahr wachen sie nach und nach auf und beginnen wieder mit der Nahrungssuche.
Viele Fledermausarten paaren sich bereits im Herbst, noch vor dem Winterschlaf. Die Weibchen speichern den Samen jedoch über den Winter und die eigentliche Befruchtung findet erst im Frühjahr statt. So werden die Jungtiere genau dann geboren, wenn wieder ausreichend Insekten zur Verfügung stehen. Im Sommer schließen sich die Weibchen zu sogenannten Wochenstuben zusammen, in denen sie meist ein einzelnes Jungtier zur Welt bringen und gemeinsam aufziehen. Nach einigen Wochen sind die Jungtiere flugfähig und lernen selbstständig zu jagen, bevor sich der Jahreskreis im Herbst mit der erneuten Paarungszeit schließt.
(B. Franke
/
Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
(B. Franke
/
Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Mit viel neuem Wissen im Gepäck freuen sich die Jungen Naturwächter nun auf die am Samstag stattfindende Fledermausexkursion in den Rabensteiner Felsendomen, bei der sie gemeinsam mit dem Experten Holger Tippmann Fledermäuse in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten und ihr Wissen weiter vertiefen können.
Vielen Dank an Reimund Francke für diesen tollen Fotovortrag, bei dem die Jungen Naturwächter mit vollem Eifer dabei waren und die spannenden Informationen wohl nicht so schnell wieder vergessen werden.
Die Veranstaltungen der Jungen Naturwächter in der Naturschutzstation (Adelsbergstr. 192) finden in Kooperation des Umweltamtes der Stadt Chemnitz und der BUND Regionalgruppe Chemnitz statt.