BUND Regionalgruppe Chemnitz
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23.01.2026 Faszination Fledermäuse - Lautlose Jäger der Nacht (AK)

Auch im Aufbaukurs der Jungen Naturwächter stand in dieser Woche alles im Zeichen der Fledermäuse. Zu Gast in der Naturschutzstation der Stadt Chemnitz war der erfahrene Fledermauskundler Reimund Francke. Für ihn war der Besuch mit vielen Erinnerungen verbunden, denn er kennt die Naturschutzstation noch aus ihren Anfangsjahren. Nach fast drei Jahrzehnten wieder an diesen Ort zurückzukehren, war für ihn etwas ganz Besonderes. Umso mehr freute er sich darüber, dass das Gebäude bis heute intensiv genutzt wird und Umweltbildung hier nach wie vor eine wichtige Rolle spielt. Die JuNas des Aufbaukurses waren gespannt und folgten seinen Ausführungen aufmerksam.

 (M. Fanghänel / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Wissen weitergeben und Begeisterung wecken – ganz im Sinne des JuNa-Grundgedankens vermittelt ein engagierter Fledermausschützer spannende Einblicke in die Welt der Fledermäuse.  (M. Fanghänel / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
 (M. Fanghänel / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Mit zahlreichen selbst aufgenommenen Fotos veranschaulichte Reimund Francke die Lebensweise heimischer Fledermäuse. Gemeinsam wurde der Jahresverlauf dieser besonderen Säugetiere betrachtet – vom Winterschlaf über die aktive Zeit im Sommer bis hin zur Jungenaufzucht. Dabei wurde deutlich, wie unterschiedlich Fledermausarten ihre Lebensräume nutzen und auf Nahrungssuche gehen. Die Wasserfledermaus beispielsweise jagt bevorzugt dicht über Gewässern und erbeutet dort Insekten direkt von der Wasseroberfläche. Die Zwergfledermaus hingegen ist häufig im Siedlungsraum anzutreffen und nutzt Gärten, Parks und Straßenbeleuchtung als Jagdgebiete. Auch größere Arten wie die Breitflügelfledermaus wurden vorgestellt, die oft auf Dachböden wohnen und in strukturreichen Landschaften auf Nahrungssuche gehen.

 (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der praktischen Arbeit im Fledermausschutz. Reimund Francke berichtete von seiner Tätigkeit als Kartierer und Beringer und zeigte anhand von Fotos, wie Fledermäuse fachgerecht untersucht werden. Dabei erklärte er auch den Einsatz von Fangnetzen und Keschern, mit denen die Tiere kurzzeitig gefangen, bestimmt und anschließend wieder freigelassen werden. Zur besseren Veranschaulichung hatte der Experte originale Fledermausringe mitgebracht, die zur Markierung einzelner Tiere genutzt werden und wichtige Erkenntnisse über Wanderungen, Alter und Lebensweise liefern.
Zudem kümmert er sich gemeinsam mit seiner Frau seit vielen Jahren um verletzte und hilfebedürftige Fledermäuse, um ihnen eine spätere Rückkehr in die Natur zu ermöglichen. Darunter befinden sich gelegentlich auch Jungtiere, deren Pflege besonders intensiv ist – dabei entstehen zugleich beeindruckende Fotos, die sonst kaum möglich wären.

Besonders großes Interesse weckten die mitgebrachten Präparate verstorbener Fledermäuse. Sie ermöglichten den Jungen Naturwächtern und den erwachsenen Gästen, die Tiere aus nächster Nähe zu betrachten und Details wie Flügelaufbau, Zähne oder Ohrenform genau zu erkennen. So wurde anschaulich, wie stark Fledermäuse an ihre Lebensweise angepasst sind und wie klein sie tatsächlich sind. Gleichzeitig wurde betont, dass Fledermäuse streng geschützt sind und weder lebend noch tot mitgenommen werden dürfen. Nur speziell geschulte und genehmigte Personen dürfen Fledermäuse anfassen oder pflegen. Bei verletzten oder toten Tieren sollten Fachleute kontaktiert werden. Eine Liste der Fledermausschützer in Sachsen ist online verfügbar. In Chemnitz berät zudem die Tiernotrettung und vermittelt verletzte Tiere an geeignete Pflegestellen, wie die unseres Gastes, der dafür einen eigenen Raum eingerichtet hat. Auch beringte, tote Fledermäuse sind für den Fledermausschutz wichtig, da sie Hinweise auf Verbleib und Todesursachen liefern.

 (M. Fanghänel / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Zum Abschluss der Veranstaltung konnten die JuNas des Aufbaukurses ihr erworbenes Wissen noch einmal praktisch anwenden. In einer gemeinsamen Aufgabe ordneten sie den Jahreszyklus der Fledermäuse korrekt zu – vom Winterschlaf über das Erwachen im Frühjahr bis hin zur Paarung und Jungenaufzucht. Dabei wurde deutlich, wie eng der Lebensrhythmus der Fledermäuse an das Nahrungsangebot angepasst ist. Viele Arten paaren sich bereits im Herbst, speichern den Samen jedoch über den Winter, sodass die Jungtiere erst im Frühsommer geboren werden. In sogenannten Wochenstuben ziehen die Weibchen ihren Nachwuchs auf, bis dieser selbstständig fliegen und jagen kann. Mit vielen neuen Eindrücken und spannenden Erkenntnissen blickten die Jungen Naturwächter des Aufbaukurses nun voller Vorfreude auf die kommende Fledermausexkursion in die Rabensteiner Felsendome. Dort wollten sie gemeinsam mit Fledermausschützer Holger Tippmann die Überwinterungsquartiere der Chemnitzer Fledermäuse aufsuchen.

 (M. Fanghänel / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
 (M. Fanghänel / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
 (M. Fanghänel / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Ein herzliches Dankeschön an Reimund Francke für sein Engagement im Fledermausschutz und die eindrucksvolle Einführung in die heimliche Welt der Fledermäuse. Bei den JuNas wurde damit sicherlich die Begeisterung für diese faszinierenden Tiere geweckt.

Die Veranstaltungen der Jungen Naturwächter in der Naturschutzstation (Adelsbergstr. 192) finden in Kooperation des Umweltamtes der Stadt Chemnitz und der BUND Regionalgruppe Chemnitz statt.