BUND Regionalgruppe Chemnitz
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26.11.2025 Wenn Pilze zu Tinte werden – und wozu sie sonst noch gut sind (GK)

Wenn die Natur zur Kunst wird: Schreiben mit Feder und Pilztinte

 (B. Franke / Junge Naturwächter /BUND Chemnitz)

An diesem Tag erwarteten die Jungen Naturwächter eine romantisch verschneite Naturschutzstation. Alle hatten bereits im Hort ihren Spaß gehabt und begeistert von ihren Schneeballschlachten und dem Bauen von Schneemännern erzählt. Nun freuten sie sich besonders auf die heutige JuNa-Veranstaltung, denn Pilzcoach Wolfgang Friese vom NABU Burgstädt und den Pilzfreunden Chemnitz war eingeladen. Er wollte den Jungen Naturwächtern des Grundkurses die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Pilzen näherbringen. 
Dafür hatte er wieder seinen Koffer dabei, der mit spannenden Materialien gefüllt war. Es sollte ein interessanter Nachmittag werden, der Wissen, Kreativität und praktisches Ausprobieren verband. Gespannt lauschten die Kinder den Worten des Gastes und konnten es kaum erwarten, mehr über die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten zu erfahren. Zwar war der eine oder andere noch etwas skeptisch und glaubte nicht so recht, dass man mit Pilzen mehr anfangen konnte als sie zu essen – doch die Neugier war groß.

 (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Gleich zu Beginn durften die JuNas etwas ganz Besonderes ausprobieren. Obwohl es sich um eine außerschulische Veranstaltung handelte, standen Schreiben und Malen auf dem Programm – jedoch nicht mit gewöhnlicher Tinte oder Farbe, sondern mit selbst hergestellter Pilztinte. Diese hatte unser Pilzcoach zuvor aus einem besonderen Pilz gewonnen: dem Schopf-Tintling (Coprinus comatus), der aufgrund seiner außergewöhnlichen Lebensweise im Jahr 2024 sogar zum „Pilz des Jahres“ gekürt worden war. Der Schopf-Tintling gilt nicht nur als schmackhafter Speisepilz, sondern zerfällt nach kurzer Zeit zu einer tiefschwarzen Flüssigkeit, die früher tatsächlich als Tinte verwendet wurde.
Wie in früheren Zeiten kamen zum Schreiben echte Vogelfedern zum Einsatz. Für die Jungen Naturwächter des Grundkurses war das eine völlig neue Erfahrung, und sie mussten zunächst lernen, die Federn ruhig zu führen, ohne dabei zu kleckern. Zudem verströmte die Pilztinte einen recht intensiven Geruch, der nicht jedem gefiel. Dennoch hatten alle großen Spaß an dieser besonderen Übung, und am Ende entstanden kleine Kunstwerke, die die Kinder stolz ihren Eltern präsentierten.

 (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
 (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
 (B. Franke / Junge Naturwächter /BUND Chemnitz)
 (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
 (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
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 (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
 (B. Franke / Junge Naturwächter /BUND Chemnitz)

Pilze – überraschend vielseitig

Früher überlebenswichtig und immer "am Mann" - das „Zeug, mit dem man Feuer macht“ - bestehend aus Pyrit/Feuerstein und Zunderschwamm. (Sammlung Wolfgang Friese)  (B. Franke / Junge Naturwächter /BUND Chemnitz)

Nach der kreativen Phase zeigte der Pilzcoach den JuNas, wie vielseitig Pilze genutzt werden können. Schon früher erkannten die Menschen das Potenzial der Natur, und dazu gehörten auch Pilze. Für die Kinder hatte der Gast eine kleine Sammlung verschiedener Produkte aus Pilzen mitgebracht, die zum Anschauen, Anfassen und Begreifen einluden. Besonders spannend war die Geschichte des Zunderschwamms (Fomes fomentarius), eines weit verbreiteten Baumpilzes. 
Die JuNas erfuhren, dass der Begriff „Feuerzeug“ ursprünglich von den verschiedenen Dingen stammt, die zum Feuermachen benötigt wurden – darunter funkenschlagende Steine oder Metalle sowie das lederartige Innere des Zunderschwamms. Damit konnte man die Funken auffangen – der Schwamm begann dabei nur zu glimmen, verbrannte aber nicht. So eignete er sich auch hervorragend zum Transport der Glut. Ein solches Gefäß aus Birkenrinde konnten die JuNas ebenfalls bestaunen. Aus Sicherheitsgründen machten wir natürlich kein Feuer, doch schon das Anschauen der Materialien und die Erklärung des aufwendigen Prozesses waren für die Kinder sehr eindrucksvoll.
Neben seiner Funktion als Zündmaterial ist der Zunderschwamm auch ein hervorragendes natürliches Handwerksmaterial. Der Pilzcoach hatte mehrere Hüte, Täschchen, Schmuckstücke und kleine Schachteln aus Zunderschwamm mitgebracht, die die JuNas anfassen und sogar anprobieren konnten. Dabei staunten sie, wie vielseitig dieses Naturprodukt einsetzbar ist und wie kunstvoll es von geschickten Handwerkern verarbeitet werden kann.
Früher war der Zunderschwamm fast vollständig aus der Natur verschwunden, weil er als Zündmittel so begehrt war – er „ging ab wie Zunder“. Heute haben sich die Bestände wieder erholt, und man findet ihn häufig an alten Birken und Buchen.
Abschließend wurde den JuNas deutlich, dass Pilze weit mehr können, als nur auf dem Teller zu landen: Sie können Kunstwerke schaffen, praktische Gegenstände ermöglichen und sogar beim Feuermachen helfen. Die Veranstaltung zeigte anschaulich, wie viel Kreativität und Potenzial in der Natur steckt – und dass wir durch achtsamen Umgang diese Schätze bewahren können.

 (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Der Zunderschwamm enthält eine weiche, lederartige Mittelschicht, das Trama. Aus diesem Material lässt sich nach einem aufwendigen Prozess eine Art Filzleder herstellen, das man „Amadou“ nennt.

Der Herstellungsprozess umfasst typischerweise:

  1. Seitliches Aufschneiden und Entfernen der harten Kruste.
  2. Herauslösen des Tramas.
  3. Klopfen und Dehnen, bis die Fasern weich und filzartig werden.
  4. Behandeln (z. B. mit einer alkalischen Lösung oder Wasser), um es geschmeidig zu machen.
  5. Weiterverarbeiten zu Stoffbahnen, die dann zu Hüten, Taschen oder Gürteln vernäht werden.

Dieses Material wird seit Jahrhunderten in Regionen wie Rumänien, Ungarn und der Slowakei für Kleidung und Schmuck traditionell genutzt, denn es hat sehr gute Eigenschaften und ist sehr robust.

Ötzi, der berühmte „Mann aus dem Eis“, trug zwar keinen Hut daraus, aber er hatte Zunderschwammstücke als Zunder in seinem Gepäck.

 

Ein großes Dankeschön an Pilzcoach Wolfgang Friese für diese besondere JuNa-Veranstaltung. Wir freuen uns schon auf viele weitere gemeinsame Erlebnisse!

Die Veranstaltungen der Jungen Naturwächter an der kommunalen Naturschutzstation Chemnitz (Adelsbergstraße 192) finden in enger Zusammenarbeit zwischen dem Umweltamt der Stadt Chemnitz und der BUND Regionalgruppe Chemnitz statt.