BUND Regionalgruppe Chemnitz
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04.09.2026 Fledermausnacht am Schloßteich – Den Jägern der Nacht auf der Spur

Großes Interesse an den Jägern der Nacht: Auch in diesem Jahr kamen zahlreiche Besucherinnen und Besucher zur Fledermausnacht am Schloßteich in Chemnitz.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Auch wenn das Wetter am 4. September zunächst etwas unbeständig aussah und am Horizont immer wieder dunkle Wolken aufzogen, ließen sich zahlreiche Besucherinnen und Besucher die Fledermausnacht am Schloßteich in Chemnitz nicht entgehen. Zur Veranstaltung eingeladen hatte die Untere Naturschutzbehörde der Stadt Chemnitz, unterstützt wurde sie vom Fledermausschützer Holger Tippmann sowie vom Team der Jungen Naturwächter der BUND Regionalgruppe Chemnitz.
Am frühen Abend trafen sich zahlreiche Interessierte am Milchhäuschen des Schloßteichs – Familien mit Kindern ebenso wie Erwachsene, die bereits Vorkenntnisse über Fledermäuse mitbrachten. Besonders gefreut hat uns, unter den Teilnehmenden auch zahlreiche Junge Naturwächter wiederzusehen. Sie konnten dabei ihre bereits erworbenen Artenkenntnisse über Fledermäuse unter Beweis stellen und ihr Wissen sogar mit anderen Tieren und interessierten Teilnehmenden teilen.
Nach einer kurzen Begrüßung und Einführung wurde die Gruppe geteilt: Während sich die Teilnehmenden mit Vorkenntnissen gemeinsam mit Holger Tippmann näher mit der Fledermausbestimmung und den Besonderheiten der verschiedenen Arten beschäftigten, ging es für die Familien und insbesondere die Kinder auf die Schloßteichinsel. Dort erwartete sie eine kindgerechte Führung durch die Welt der geheimnisvollen Jäger der Nacht.

Spannende Fakten über die Jäger der Nacht

Gemeinsam wird der Körperbau einer Fledermaus gezeichnet und besprochen – dabei lernen die Kinder die besonderen Merkmale der faszinierenden Tiere kennen.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Gemeinsam mit den Kindern gingen Dr. Gudrun Schneider und Ben zunächst der Frage nach, was eine Fledermaus eigentlich so besonders macht. Schnell war klar: Fledermäuse sind Säugetiere – und damit näher mit uns Menschen verwandt, als man auf den ersten Blick vermuten könnte. Sie besitzen ein Fell, bringen lebende Junge zur Welt und säugen ihren Nachwuchs.

Auffällig sind natürlich ihre großen Ohren und die im Verhältnis dazu kleinen Augen. Doch gerade beim Sehen liegt eine der spannendsten Besonderheiten der Fledermäuse: Sie können sich mithilfe der Echoortung auch in völliger Dunkelheit orientieren und ihre Beute aufspüren. Dafür stoßen sie sehr hohe Rufe aus, die für den Menschen meist nicht hörbar sind. Treffen die Schallwellen beispielsweise auf einen Baum oder ein Insekt, werden sie zurückgeworfen. Aus dem Echo können die Fledermäuse erkennen, wo sich Hindernisse oder Beutetiere befinden.

Doch woher weiß man eigentlich, dass Fledermäuse im Dunkeln nicht auf ihre Augen angewiesen sind, sondern sich mithilfe ihrer Ohren orientieren?

Beide Gruppen erfuhren an diesem Abend, wie Forschende dieser Frage bereits vor langer Zeit auf den Grund gingen. In historischen Versuchen wurde untersucht, ob Fledermäuse auch ohne ihren Sehsinn sicher fliegen können. Dabei zeigte sich, dass die Tiere selbst ohne Augen problemlos fliegen konnten. Wurden dagegen ihr Hörsinn beeinträchtigt oder ihr Maul blockiert, konnten sie Hindernisse nicht mehr zuverlässig erkennen und ihre Beute nicht mehr finden. 
So fanden die Forschenden nach und nach heraus, dass Fledermäuse sich im Dunkeln mithilfe von Schall orientieren – oder vereinfacht gesagt: mit den Ohren „sehen“. Die wissenschaftliche Erforschung der Echoortung wurde in den folgenden Jahrzehnten durch weitere Experimente und technische Entwicklungen immer genauer. Heute wissen wir daher sehr viel mehr über die faszinierenden Fähigkeiten der Fledermäuse – und können ihre für uns unsichtbaren Rufe sogar mithilfe eines Fledermausdetektors hörbar machen.

Ein Jahr im Leben einer Fledermaus

Auch bei Holger Tippmann erhielten die Teilnehmenden spannende Einblicke in die Lebensweise und Verbreitung der heimischen Fledermausarten – direkt aus erster Hand vom Fledermausexperten.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Ein weiterer Schwerpunkt der Veranstaltung lag auf der Lebensweise und dem Jahreszyklus der Fledermäuse. Beide Gruppen erhielten dazu ausführliche Einblicke und erfuhren, wie sich das Leben der Tiere im Laufe des Jahres verändert.
Gemeinsam wurde betrachtet, was im Frühjahr und Sommer geschieht, wenn die Fledermäuse ihre Sommerquartiere beziehen. Die Weibchen schließen sich dabei häufig zu sogenannten Wochenstuben zusammen, in denen sie ihre Jungen zur Welt bringen und gemeinsam aufziehen. Meist wird nur ein Jungtier geboren, gelegentlich sind es zwei. Nach einigen Wochen werden die Jungtiere selbstständig und beginnen, gemeinsam mit ihren Müttern auf die Jagd zu gehen. Während dieser Zeit leben die Männchen vieler Arten eher einzelgängerisch. 
Auch der Herbst bringt wichtige Veränderungen im Leben der Fledermäuse mit sich. Die Jungtiere sind inzwischen selbstständig, die Tiere fressen sich wichtige Fettreserven für den Winter an und suchen ihre Paarungsquartiere auf. Bei vielen Arten findet die Paarung bereits im Herbst statt. Die Weibchen können die Spermien über mehrere Monate speichern, sodass die Befruchtung erst im darauffolgenden Frühjahr erfolgt.
Anschließend ging es um die Überwinterung. Während der kalten und nahrungsarmen Jahreszeit fallen Fledermäuse in eine Winterlethargie. Dabei werden Körpertemperatur, Herzschlag und Stoffwechsel deutlich heruntergefahren, wodurch die Tiere ihren Energieverbrauch auf ein Minimum reduzieren.
Die Teilnehmenden erfuhren außerdem, dass nicht alle Fledermausarten das ganze Jahr über am selben Ort bleiben. Einige Arten unternehmen saisonale Wanderungen über erstaunliche Entfernungen. Bei einigen Arten sind beispielsweise Wanderungen von weit über 1.000 Kilometern nachgewiesen.

22 Fledermausarten in Sachsen

Dass es bei uns mehr Fledermausarten gibt, als man vielleicht vermuten würde, überraschte ebenfalls viele Teilnehmende. In Sachsen sind derzeit 22 Fledermausarten nachgewiesen. Dazu gehören unter anderem das Braune Langohr, die Zwergfledermaus, Mückenfledermaus, Wasserfledermaus, Breitflügelfledermaus, der Große Abendsegler und das Große Mausohr. Besonders beeindruckend wurde die Artenvielfalt durch einige Präparate, die uns freundlicherweise von der Naturschutzstation Herrenhaide zur Verfügung gestellt wurden. In kleinen Schaukästen konnten die Besucherinnen und Besucher eine Breitflügelfledermaus und eine Zwergfledermaus aus nächster Nähe betrachten. Die Zwergfledermaus gehört gemeinsam mit der Mückenfledermaus zu den kleinsten Fledermausarten Deutschlands. Mit einem Gewicht von nur wenigen Gramm ist sie tatsächlich kaum schwerer als eine 20-Cent-Münze und passt problemlos in eine Streichholzschachtel.

Von Fledermäusen, Bäumen und Motten

Alle waren neugierig: Bei einem spielerischen Experiment konnten die Kinder selbst ausprobieren, wie Fledermäuse mithilfe der Echoortung ihre Umgebung wahrnehmen und sich im Dunkeln orientieren.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Da die Dämmerung erst langsam einsetzte und die Fledermäuse noch auf sich warten ließen, wollten wir die Zeit mit einem spannenden und spielerischen Experiment für die Kinder überbrücken. Um die Echoortung anschaulich zu erklären, wurde gemeinsam ein kleines Spiel durchgeführt. Ein Kind übernahm die Rolle der Fledermaus, bekam die Augen verbunden und musste sich durch einen „Wald“ bewegen. Die anderen Kinder stellten die Bäume dar, während drei weitere Kinder durch Klatschen die Nahrung simulierten. Rief die Fledermaus, antworteten die Bäume mit einem Echo. So musste sich die „Fledermaus“ anhand der zurückkommenden Rufe ihren Weg durch den Wald bahnen und am Ende ihre Beute finden. Dabei wurde nicht nur viel gelacht – ganz nebenbei wurde auch deutlich, wie erstaunlich gut die Echoortung funktioniert und wie wichtig sie für die Orientierung der Tiere in der Dunkelheit ist.
Während des Spiels konnten jedoch bereits die ersten Soziallaute der Fledermäuse aus einer nahe gelegenen Eiche auf der Schloßteichinsel vernommen werden. Ein erstes Zeichen dafür, dass die Tiere langsam aktiv wurden und sich auf ihren nächtlichen Ausflug vorbereiteten. Lange mussten die Teilnehmenden dann auch nicht auf die ersten sichtbaren Fledermäuse warten: Bereits während des Spiels flog ein Großer Abendsegler über den Köpfen der Gäste umher und zeigte zur Freude aller eindrucksvoll seine Jagdmanöver am nächtlichen Himmel.

Mit dem Fledermausdetektor auf Stimmenjagd

Gudrun Schneider erklärt den Teilnehmenden die Funktionsweise des Fledermausdetektors, mit dem die für Menschen unhörbaren Ultraschallrufe der Fledermäuse hörbar gemacht werden können.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Während es langsam immer dunkler wurde, wurde es schließlich spannend: Die ersten Fledermäuse wurden aktiv. Aus der nahe gelegenen Eiche auf der Schloßteichinsel waren immer mehr Soziallaute zu hören. Für die meisten Menschen blieben die hochfrequenten Rufe der Tiere jedoch zunächst unhörbar. Deshalb kam nun zusätzlich ein Fledermausdetektor zum Einsatz. Gudrun Schneider erklärte den Gästen die Funktionsweise des Geräts und wie mithilfe dieser Technik Fledermäuse und teilweise auch einzelne Arten nachgewiesen werden können. Der Detektor wandelt die für uns normalerweise nicht wahrnehmbaren Ultraschallrufe in hörbare Töne um – und machte so die Rufe der Fledermäuse für alle Anwesenden erlebbar. 
Gleichzeitig wurde mit Taschenlampen über der Wasseroberfläche nach jagenden Wasserfledermäusen Ausschau gehalten. Und tatsächlich ließen auch diese nicht lange auf sich warten: Mindestens drei Wasserfledermäuse zogen ihre Runden über dem Schloßteich und gingen auf Nahrungssuche. Für Groß und Klein war es ein besonderes Erlebnis, die Tiere bei ihren nächtlichen Jagdflügen beobachten zu können.

Zwei ganz besondere Gäste

Ein Großer Abendsegler (Nyctalus noctula) ganz aus der Nähe: Bei der Fledermausnacht konnten die Teilnehmenden einen der größten heimischen Fledermäuse aus nächster Nähe betrachten und dabei spannende Details über die Art erfahren.  (B. Franke / Junge Naturwächter / UND Chemnitz)

Ein besonderes Highlight hatte Holger Tippmann für den späteren Abend noch vorbereitet. Er brachte zwei seiner besonderen Pfleglinge mit: einen Großen Abendsegler und eine Wasserfledermaus. Gemeinsam mit weiteren Fledermausschützern kümmert er sich zeitweise um die Pflege und Aufzucht hilfsbedürftiger Fledermäuse und ermöglicht bei geeigneten Veranstaltungen auch einen Blick auf die Tiere aus nächster Nähe. Für viele Besucherinnen und Besucher war es ein ganz besonderer Moment, eine lebende Fledermaus einmal aus unmittelbarer Nähe betrachten zu können.
Dabei wurde auch erklärt, dass Fledermäuse niemals mit bloßen Händen angefasst werden sollten. Alle heimischen Fledermausarten sind streng geschützt und dürfen nicht ohne entsprechenden Grund sowie die erforderlichen Kenntnisse und Genehmigungen gefangen oder gehandhabt werden. Zudem besitzen die kleinen Tiere sehr scharfe Zähne und können – wenn auch selten – Krankheitserreger wie Fledermaus-Lyssaviren übertragen, die eine Form der Tollwut auslösen können. Deshalb gilt: Wird eine Fledermaus gefunden, sollte man sie nicht selbst anfassen, sondern fachkundige Hilfe hinzuziehen. In Chemnitz steht hierfür beispielsweise die Tierrettung Chemnitz zur Verfügung, die berät und in akuten Fällen auch selbst tätig werden kann.
Besonders beeindruckend waren für die Besucherinnen und Besucher beider Gruppen schließlich die kräftigen Rufe der kleinen Pfleglinge. Was für uns Menschen normalerweise verborgen und unhörbar bleibt, wurde plötzlich hörbar und machte noch einmal deutlich, wie faszinierend die nächtliche Welt der Fledermäuse ist. Die Begegnung mit den beiden Tieren aus nächster Nähe war für viele Naturfreundinnen und Naturfreunde der krönende Abschluss eines ereignisreichen Abends. Mit vielen neuen Eindrücken und spannenden Erkenntnissen über die heimischen Fledermäuse ging es schließlich ins Wochenende. Als Mitveranstalter hoffen wir, dass die Fledermausnacht nicht nur viel Freude bereitet, sondern auch dafür sensibilisiert hat, welchen Schutz diese faszinierenden Tiere benötigen. Gerade bei Gebäudesanierungen sollte deshalb frühzeitig darauf geachtet werden, ob Fledermäuse oder andere Gebäudebrüter betroffen sind, und nach Möglichkeit sollten geeignete Ersatzquartiere und Nistmöglichkeiten geschaffen werden.

 (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Trotz der wechselhaften Wetterlage wurde die Fledermausnacht zu einem besonderen Naturerlebnis. Mit spannenden Geschichten, anschaulichen Spielen, Präparaten, dem Fledermausdetektor und sogar lebenden Tieren konnten die Besucherinnen und Besucher die geheimnisvolle Welt der „Jäger der Nacht“ auf ganz unterschiedliche Weise kennenlernen. Und spätestens als die ersten Fledermäuse über dem Schloßteich ihre Runden drehten, war klar: Für diesen Abend hätte es wohl keinen besseren Ort gegeben, um den Fledermäusen auf die Spur zu kommen.
Ein herzliches Dankeschön gilt Gudrun Schneider von der Unteren Naturschutzbehörde und Holger Tippmann für die spannende und abwechslungsreiche Veranstaltung sowie natürlich allen großen und kleinen Fledermausinteressierten, die diesen Abend zu einem besonderen Erlebnis gemacht haben. Wir hoffen, dass alle Teilnehmenden nicht nur viel Neues über Fledermäuse erfahren, sondern auch ein Stück Begeisterung für diese faszinierenden Tiere mit nach Hause genommen haben – und nun wissen, warum ihr Schutz so wichtig ist.

Die Veranstaltungen der Jungen Naturwächter in der Naturschutzstation (Adelsbergstr. 192) finden in Kooperation des Umweltamtes der Stadt Chemnitz und der BUND Regionalgruppe Chemnitz statt.