BUND Regionalgruppe Chemnitz
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21.08.2026 Mit Kescher und geschärftem Blick auf Schmetterlings- und Heuschreckensuche (AK)

 (M. Fanghänel / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Nach sechs langen Sommerferienwochen war die Freude groß, sich endlich wieder in der Naturschutzstation zu treffen. Für den JuNa-Aufbaukurs ging es zum Auftakt direkt hinaus auf die Wiese. Nach einer kurzen Einweisung in die Sicherheitsregeln und den vorsichtigen Umgang mit den Tieren hatte Ben noch einen besonderen Naturbewohner im Gepäck: die Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa). Die wärmeliebende Fangschrecke profitiert von warmen und trockenen Bedingungen und breitet sich in Sachsen zunehmend aus. Von Nord- und Ostsachsen ausgehend, wird sie inzwischen auch immer häufiger weiter in Richtung Chemnitz beobachtet. Gerade 2026 wurden besonders viele Beobachtungen gemeldet – vermutlich begünstigt durch das warme Frühjahr und den warmen Frühsommer. Die JuNas erfuhren außerdem, dass die auffällige Jägerin ihre Beute mit den bedornten Fangbeinen blitzschnell ergreift und dass auch ihre Beobachtungen im Rahmen von Citizen-Science-Mitmachaktionen gemeldet werden können.
Nach diesem kurzen Ausflug in die Welt der Gottesanbeterin waren die JuNas bestens auf die Suche nach weiteren Insekten vorbereitet. Kescher raus und ab auf die Wiese!

 (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Im Akkord landeten die ersten Schmetterlinge in den Keschern und verschiedene Grashüpfer in den Becherlupen. Die Funde wurden gemeinsam betrachtet, miteinander verglichen und anschließend bestimmt. Zunächst waren es vor allem verschiedene Weißlinge, die gefangen wurden. Doch schon nach den ersten Erfolgserlebnissen wurde der Blick immer genauer und die JuNas begannen gezielt nach weiteren Schmetterlingsarten Ausschau zu halten. So kamen nach und nach immer neue Arten hinzu. Dabei bewiesen einige JuNas eine erstaunliche Ausdauer bei der Verfolgung besonders interessanter Falter – und wurden dafür schließlich mit tollen Funden belohnt.
Neben verschiedenen Weißlingen konnten wir Bläulinge, tagaktive Nachtfalter und Kleine Wiesenvögelchen entdecken. Besonders spannend war die Goldene Acht (Colias hyale), ein auffällig goldgelb leuchtender Tagfalter. Seinen ungewöhnlichen Namen konnten die JuNas schließlich selbst nachvollziehen: Ein Blick auf die Unterseite der Hinterflügel offenbarte tatsächlich eine Zeichnung, die an eine kleine goldene „8“ erinnert. Ganz anders zeigte sich der Tintenfleck-Weißling (Leptidea indet.), der auf den ersten Blick eher unscheinbar wirkt. Erst bei genauerer Betrachtung lassen sich seine charakteristischen Merkmale erkennen und von denen anderer Weißlinge unterscheiden. Genaues Hinschauen war also gefragt – und machte die Artenbestimmung zu einer spannenden Entdeckungsaufgabe.

 (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
 (M. Fanghänel / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Nachtfalter auf Tagestour: Der Ockergelbe Blattspanner (Camptogramma bilineata)  (M. Fanghänel / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Kleiner Falter, große Überraschung: Der Kurzschwänzige Bläuling (Cupido argiades) war einer der häufigsten Falter auf der extensiv bewirtschafteten Wiese.  (M. Fanghänel / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Weißling ist nicht gleich Weißling: Im direkten Vergleich entdeckten die JuNas die Unterschiede zwischen Grünaderweißling (Pieris napi) und Kleinem Kohlweißling (Pieris rapae).  (M. Fanghänel / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
 (M. Fanghänel / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
 (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Ein besonderer Wiesenfund: Die Goldene Acht (Colias hyale) zeigt, woher sie ihren Namen hat.  (M. Fanghänel / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Ein Bläuling, der aus der Reihe tanzt: Beim Kleinen Sonnenröschen-Bläuling (Aricia agestis) sind beide Geschlechter braun gefärbt.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Artenkenntnis ganz praktisch: Selbst gefangene Schmetterlinge werden gemeinsam bestimmt und verglichen.  (M. Fanghänel / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
 (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
 (M. Fanghänel / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Das Kleine Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus) darf auf keiner Wiese fehlen.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Der Kleine Sonnenröschen-Bläuling (Aricia agestis) zeigt auf seiner Flügelunterseite charakteristische schwarz-weiße und orangefarbene Flecken.  (M. Fanghänel / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Tintenfleck statt Farbklecks: Der Tintenfleck-Weißling fällt durch seine dunkle Flügelzeichnung auf.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Nicht jeder Fang ist für die Becherlupe geeignet – aber Spaß muss sein!  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Auch bei den Heuschrecken gab es jede Menge zu entdecken. Zahlreiche Tiere wurden vorsichtig gefangen und in den Becherlupen genau miteinander verglichen. Dabei wurde besonders deutlich, worin sich Kurzfühlerschrecken und Langfühlerschrecken unterscheiden. Durch das direkte Vergleichen der verschiedenen Arten konnten die JuNas die unterschiedlichen Fühlerlängen und weitere Merkmale genau beobachten und so ihre Artenkenntnisse weiter ausbauen. 
Natürlich kam bei der ganzen Sucherei auch der Spaß nicht zu kurz. Manchmal war der Kescher schneller als gedacht – und so landete zur allgemeinen Erheiterung auch schon einmal ein JuNa-Kopf darin. Gleichzeitig war wieder Team- und Gruppengeist gefragt: Bei nur vier Keschern für die gesamte Gruppe mussten diese regelmäßig getauscht werden. Wer gerade keinen Kescher hatte, konnte beim Beobachten helfen, Tiere entdecken oder Tipps geben. So wurde gemeinsam gesucht, gefangen, bestimmt und natürlich auch viel gelacht.
 

Ein Wiesengrashüpfer (Chorthippus dorsatus) völlig entspannt auf der Hand eines Jungen Naturwächters.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Zwar kein Insekt, aber nicht weniger interessant: Ein Weberknecht sorgte ebenfalls für einen spannenden Fund.  (M. Fanghänel / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Auch die Roesels Beißschrecke (Roeseliana roeselii) ließ sich ganz in Ruhe von den Jungen Naturwächtern beobachten und bestimmen.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Gemeinsam werden die gefangenen Tiere wieder an ihrem Fundort freigelassen – für die Jungen Naturwächter eine Selbstverständlichkeit und immer wieder ein besonderer Moment.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Mit viel Freude am Insektenfang verging die Zeit schließlich wie im Flug. Bevor es zurück zur Naturschutzstation ging, wurden selbstverständlich alle noch gefangenen Tiere vorsichtig wieder an ihrem Fundort freigelassen. Dort warteten bereits die Eltern auf ihre kleinen Naturforscherinnen und Naturforscher.
Es war ein sehr erfolgreicher Start des Aufbaukurses nach den Sommerferien: Nicht nur, weil viele JuNas wieder den Weg in die Naturschutzstation gefunden hatten und die Gruppe gemeinsam in die neue Saison starten konnte. Auch die Fähigkeiten beim Insektenfangen haben sich deutlich weiterentwickelt. Mit mittlerweile geübtem Kescher-Einsatz, einem immer schärferen Blick für kleine Unterschiede und viel Geduld bei der Suche sind die JuNas inzwischen zu richtig guten Insektenfängern geworden. Und wer weiß, welche besonderen Arten bei den nächsten Naturerkundungen noch in den Kescher landen!

Ein besonderer Dank gilt dem Wirtschaftshof Euba, der uns auch für diese Veranstaltung die Erlaubnis erteilt hat, die Wiese zur Erkundung der heimischen Schmetterlings- und Heuschreckenwelt zu nutzen.

Die Veranstaltungen der Jungen Naturwächter in der Naturschutzstation (Adelsbergstr. 192) finden in Kooperation des Umweltamtes der Stadt Chemnitz und der BUND Regionalgruppe Chemnitz statt.