BUND Regionalgruppe Chemnitz
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16.09.2026 Vorbereitung auf die Vogelberingung: Kleine Ringe, große Erkenntnisse (GK)

Eigentlich sollte es in dieser Woche für die Jungen Naturwächter zur Vogelberingung nach C-Ebersdorf gehen. Doch angekündigter Regen und mögliche Gewitter machten der geplanten Exkursion einen Strich durch die Rechnung. Die gemeinsame Beringung mit den Ornithologen wurde deshalb um eine Woche verschoben. Ganz auf das Thema verzichten mussten die JuNas aber nicht: In der Naturschutzstation wurde zunächst theoretisch erkundet, was es mit den kleinen Ringen an den Vogelfüßen überhaupt auf sich hat.
Da auch einige Gastkinder dabei waren, startete die Veranstaltung zunächst mit einigen bekannten Kennenlern- und Lernspielen. Anschließend wurde es ornithologisch: Metall- und Kunststoffringe mit verschiedenen Inschriften machten neugierig. Was könnte das sein? Und wofür werden solche Ringe gebraucht?
Die JuNas trugen gemeinsam erstaunlich viel Wissen zusammen. Einige kannten die Vogelberingung bereits und konnten ihr Vorwissen einbringen, für andere war das Thema völlig neu. Entsprechend groß war das Staunen darüber, dass sich anhand eines winzigen Rings am Fuß eines Vogels tatsächlich Informationen über dessen Leben gewinnen lassen.

Wissen von JuNas für JuNas

 (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Wie eine Vogelberingung praktisch abläuft, konnten zwei JuNas besonders anschaulich erklären. Sie waren im vergangenen Jahr selbst bei der Vogelberingung dabei und berichteten von ihren Erlebnissen. Dabei erzählten sie, was vor Ort passiert und worauf bei der Arbeit mit den Vögeln geachtet wird. Linda ergänzte die Berichte mit passenden Fotos aus vergangenen Jahren.

Für die Beringung werden an geeigneten Stellen feine Fangnetze aufgestellt, die in einigen Metern Höhe zwischen Bäumen oder Sträuchern gespannt werden können. Die Netze werden regelmäßig kontrolliert. Hat sich ein Vogel darin verfangen, wird er von erfahrenen Beringerinnen und Beringern vorsichtig aus dem Netz befreit und anschließend in einen kleinen Baumwollbeutel gesetzt. Dort bleibt er für kurze Zeit ruhig, während die nächsten Arbeitsschritte vorbereitet werden. Das geringe Licht und der begrenzte Raum sorgen bei vielen Vögeln dafür, dass sie sich beruhigen. Die Vögel werden dabei selbstverständlich so behandelt, dass Verletzungen vermieden werden.
Zurück am Arbeitstisch wird jeder Vogel einzeln untersucht. Zunächst bekommt er seinen passenden Ring. Das ist besonders wichtig: Sollte der Vogel beim anschließenden Vermessen plötzlich davonfliegen, trägt er bereits seine individuelle Kennzeichnung.
Während eine Person den Vogel beringt und untersucht, hält eine zweite Person die wichtigen Daten fest. Dazu gehören unter anderem die Kennnummer des Rings, die Vogelart und das Geschlecht. Wenn möglich, wird auch erfasst, ob es sich um einen Jungvogel handelt. Zusätzlich können verschiedene Körpermaße und Zustandsmerkmale aufgenommen werden, beispielsweise Flügellänge, Gewicht oder der Fettvorrat des Vogels.
Ist alles dokumentiert, wird der Vogel wieder freigelassen. Bei einer gemeinsamen Vogelberingung dürfen oft die JuNas diesen Schritt übernehmen und vorsichtig den Vogel in die Hand nehmen, um ihn wieder in die Freiheit zu entlassen.

Hautnah dabei: Ein Film über die Beringung von jungen Weißstörchen

 (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Wie eine Beringung bei größeren Vögeln abläuft, konnten die JuNas anschließend in einem besonders anschaulichen Film sehen. Gezeigt wurde eine Weißstorchberingung aus dem Jahr 2022 in Wittgensdorf, die der Storchenbeauftragte und Beringer Kai Schaarschmidt damals selbst gefilmt und für die JuNas zur Verfügung gestellt hatte. Er ist als Beringer für Weißstörche in Chemnitz und den umliegenden Landkreisen tätig.
Für die Beringung der Jungstörche musste Kai Schaarschmidt damals hoch hinaus: Er kletterte auf den Schornstein, wo sich das Nest befand, der sogenannte Horst, um die etwa vier Wochen alten Jungvögel zu erreichen. Im Film konnten die JuNas genau beobachten, wie die Tiere sich ganz flach an den Boden drückten und sich nicht mehr bewegten. Dieses Verhalten wird “Akinese” genannt und dient zur Abschreckung von Fressfeinden. Eventuell über dem Horst kreisende Greifvögel bekommen so den Eindruck, als seien die Jungvögel tot. Die Altvögel flogen während der Beringung vom Horst weg, blieben aber in der näheren Umgebung und behielten das Geschehen im Blick. Bei den Jungvögeln war gut zu erkennen, wie unterschiedlich sie auf die ungewohnte Situation reagierten. Eines der Tiere spuckte beim Hochnehmen, was ebenfalls als Abschreckung dient.
Besonders interessant waren die unterschiedlichen Ringe: Die gelben Kunststoffringe werden so am Bein oberhalb des Fußes angebracht, dass die Kennnummer später auch aus größerer Entfernung gut abgelesen werden kann. Das erleichtert die Identifizierung der Störche bei späteren Beobachtungen erheblich. Zusätzlich wird ein Metallring angebracht, der besonders langlebig ist.
Für die JuNas war der Film eine spannende Ergänzung zur Theorie. An einer Weißstorchberingung hatten sie selbst bisher noch nicht teilnehmen können, da es in den vergangenen Jahren immer wieder Schwierigkeiten mit dem Nachwuchs beziehungsweise den Altvögeln an den betreffenden Horsten gegeben hatte. Umso interessierter verfolgten sie nun, was bei einer solchen Beringung tatsächlich passiert. Und natürlich hoffen auch wir, dass wir in den nächsten Jahren wieder einmal dabei sein können, wenn die Jungstörche beringt werden.

Kleiner Ring mit großer Geschichte

Diese Ringe wurden oder werden bei der Beringung von Weißstörchen eingesetzt.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Doch warum macht man das überhaupt?

Auch diese Frage wurde gemeinsam mit den JuNas beantwortet. Ein einzelner Vogel lässt sich in der Natur nur schwer über längere Zeit verfolgen. Durch die individuelle Kennzeichnung können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler jedoch erkennen, wenn derselbe Vogel später noch einmal gefangen oder tot gefunden wird. So lassen sich unter anderem Informationen über Vogelzug, Zugrouten, Aufenthaltsorte, Überlebensraten, Lebensdauer und die Verbreitung einzelner Arten gewinnen.

Besonders spannend wird es beim Vogelzug: Ein Vogel, der hier in Chemnitz einen Ring bekommt, kann später an einem ganz anderen Ort wieder entdeckt werden. Umgekehrt kann ein bei uns beobachteter Vogel einen Ring tragen, der ihm vielleicht in Litauen, Spanien oder einem anderen Land angelegt wurde. Jeder Wiederfund kann deshalb ein kleines Puzzleteil sein, das dabei hilft, die Lebenswege und Wanderungen der Vögel besser zu verstehen.

Was tun, wenn ein beringter Vogel gefunden wird?

 (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Auch diese Situation wurde gemeinsam durchgespielt: Was macht man eigentlich, wenn plötzlich ein beringter Vogel im Garten, am Futterhaus oder bei einer Beobachtung auftaucht?

Zunächst muss die Ringnummer möglichst genau abgelesen werden. Anschließend können die Angaben an die zuständige Beringungszentrale beziehungsweise an die entsprechende Meldestelle übermittelt werden. Bei einem Wiederfund werden die Daten mit den vorhandenen Beringungsdaten abgeglichen.

Mit etwas Glück erhält die Person, die den Fund gemeldet hat, später Informationen über den Vogel: Wann und wo wurde er ursprünglich beringt? Handelt es sich um einen Jungvogel oder ein erwachsenes Tier? Wurde er vielleicht schon einmal an einem anderen Ort wiedergefunden? So kann aus einem kleinen Ringfund eine interessante Geschichte über das Leben und die Reisen eines einzelnen Vogels entstehen.

Vögel kennenlernen und Wissen weitergeben

 (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Nach der theoretischen Einführung ging es noch einmal um die heimische Vogelwelt. In einer Lese- und Verständnisübung arbeiteten die JuNas in Zweierteams mit Karten aus dem Set „50 heimische Vögel erkennen & bestimmen“. Jedes Team stellte einen Vogel vor und bereitete dazu eine eigene Wissensfrage für die Gruppe vor. So wurden nicht nur Vogelkenntnisse aufgefrischt, sondern die JuNas mussten ihr Wissen auch verständlich an andere weitergeben.

Zum Abschluss wartete noch ein kleines Knobelspiel: Vor- und Nachnamen verschiedener Vögel mussten richtig zusammengesetzt und den passenden Bildern zugeordnet werden. Aus „Zaun-“ und „-könig“ wurde so beispielsweise der Zaunkönig – und am Ende sollte natürlich auch das richtige Vogelbild gefunden werden.

Damit ist die theoretische Vorbereitung abgeschlossen. Nun heißt es Daumen drücken, dass das Wetter in der kommenden Woche mitspielt und die JuNas die Vogelberingung im Kaninchengrund auch praktisch miterleben können.

Die Veranstaltungen der Jungen Naturwächter in der Naturschutzstation (Adelsbergstr. 192) finden in Kooperation des Umweltamtes der Stadt Chemnitz und der BUND Regionalgruppe Chemnitz statt.