BUND Regionalgruppe Chemnitz

14.06.2024 Die Natur in der Naturschutzstation entdecken

Erste Tagesaufgabe: alle Marienkäferstadien finden

 (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Zur gewohnten Zeit trafen sich die Jungen Naturwächter der AG Chemnitzer NATUREntdecker am Freitagnachmittag in der Naturschutzstation. Gemeinsam wollten wir die Lebewesen in der Station erkunden. Doch zuvor hatten die JuNas schon die Feder auf dem Tisch entdeckt und rätselten, von welchem Vogel sie wohl stammen könnte. Sie war sehr groß und schwärzlich gefärbt. Das war natürlich sehr schwierig und so gab es noch einen kleinen Hinweis. Es ist ein großer schwarz-weißer Vogel. Die erste Idee, dass sie von einer Elster stammen könnte, wurde schnell wieder verworfen, da die Feder deutlich zu groß gewesen ist. Dann kamen schon die ersten Vermutungen auf. Könnte sie etwa von einem Storch stammen? Vielleicht ein Schwarzstorch? Das war natürlich schon nah dran, denn sie stammte vom nahen Verwandten, dem Weißstorch. An den Flügeln haben diese natürlich auch schwarze Federn, was wir uns auf einem Bild auch nochmal genau anschauten. Die Feder hatte uns Kai Schaarschmidt von einer seiner Beringungen der Jungestörche mitgebracht. Dann ging es ans eigentliche Thema des Tages. Die JuNas bekamen dazu eine Aufgabe, und zwar Marienkäfer zu suchen. Davon gibt es ja verschiedene Arten, welche meist an ihrer Punktzahl auf dem Rücken bestimmt werden können. Doch nicht nur die ausgewachsenen Käfer sollten gefunden werden, sondern auch alle anderen Entwicklungsstadien. Dafür braucht man zunächst erstmal einen geschulten Blick, denn die Larven haben eine ganz andere Form als die adulten Käfer. Nachdem wir die Metamorphose und die vier Entwicklungsphasen vom Marienkäfer noch einmal wiederholt hatten, ging es auch schon nach draußen. Mit Becherlupen ausgestattet wurden nun Büsche, Blumen und Bäume abgesucht. Einige waren sofort fündig, während andere noch etwas Unterstützung brauchten. So fanden wir verschiedene Marienkäferarten und auch deren Larven und Puppen. Sogar frisch aus ihren Eiern geschlüpfte Marienkäferlarven waren darunter. Darüber freuten wir uns natürlich sehr und sie wurden auch von allen genau begutachtet. Jetzt wissen die JuNas, wie die Entwicklungsstadien der Marienkäfer aussehen und wo sie zu finden sind. So können sie demnächst selber nach ihnen Ausschau halten.

Da muss schon genau hingeschaut werden, Marienkäferpuppe oder doch nur Hinterlassenschaft eines Vogels?  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Nicht größer als Blattläuse sind die geschlüpften Larven des Marienkäfers.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Wo verstecken sie sich denn diese Marienkäfer und ihre Larven nur? Mit etwas Geduld findet man auch Käfer, Larven und Puppen.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Larve eines Asiatischen Marienkäfers  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Den adulten Asiatischer Marienkäfer (Harmonia axyridis) konnten die JuNas auch in verschieden Farbvarianten finden.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Die letzte Raupenhaut wird nach oben hin abgestreift und die Puppe besitzt bereits die Färbung des adulten Käfers.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Sogar frisch geschlüpfte Larven haben die JuNas entdeckt. Dabei sehen sie fast aus wie kleine Blattläuse.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Marienkäfer und ihre Larven fressen gerne Blattläuse. Daher sucht man am Besten zunächst die Pflanzen nach diesen ab und schon wird man fündig.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Fliege oder Wespe? Oder beides?

Doch nicht nur Marienkäfer und ihre Stadien wurden gefunden, sondern es zeigten sich noch weitere interessante Funde in den Becherlupen. Darunter waren zwei Insekten, die sich recht ähnlich sahen. Beide hatten einen schwarz-gelb gestreiften körper. Doch so richtig nach der typischen Wespe sahen sie beide nicht aus. Der eine Fund entpuppte sich als Blattwespe. Bei dem anderen Insekt kamen verschiedene Meinungen, einige tippten auch auf Wespe, andere Junge Naturwächter erkannten hier eine Schwebfliege. Und genau das war es auch, eine Wespenschwebfliege. So konnten die beiden Insekten miteinander verglichen und Unterschiede festgestellt werden. Bei genauem Betrachten waren auch die typischen Merkmale der Fliege ersichtlich. 

Die Wespenschwebfliege ist erkennbar an nur einem Flügelpaar und der fehlenden Wespentaille.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Die Blattwespe besitzt zwei Flügelpaare und weist den typischen wespenartigen Körperbau auf.  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Leckerer Tee und spannende Funde

 (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Im Anschluss daran ging es für die Jungen Naturwächter in den Garten neben der Naturschutzstation. Bei einem kleinen Rundgang waren zunächst diejenigen erstaunt, die bereits bei der Aussaat ein paar Wochen zuvor dabei waren. Denn mittlerweile waren die Radieschen schon reif zum Ernten und auch die Zuckererbsen standen bereits in voller Blüte. Die Schoten werden wir also in ein paar Wochen mit interessierten Ferienkindern ernten können.
Bevor der Rest des Gartens begutachtet wurde, machten sich drei Junge Naturwächter mit Linda an die Kräuterschnecke, um ein paar Kräuter für Tee zu ernten. Heißes Wasser war bereits da, sodass nur noch nach Belieben Blätter geerntet und gebrüht werden mussten. Schon nach kurzer Zeit konnten alle den leckeren Kräutertee probieren und genießen.

Augen auf! Unter den Erdbeeren waren ein paar Radieschen versteckt.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Ein weiteres Highlight im Garten waren die frischen Erdbeeren, die mittlerweile gut gewachsen und erntereif waren. Ein paar JuNas pflückten die reifen Früchte und wuschen sie gründlich in einer Schüssel. Letztes Jahr hatten wir bei der Ernte an einer Erdbeere ein Wanzengelege gefunden. Daher wussten die Teilnehmenden nun, dass es wichtig ist, die Früchte vor dem Verzehr gründlich anzuschauen und zu waschen. Schließlich wurden sie unter allen JuNas aufgeteilt und zusammen mit den geernteten Radieschen verspeist.

Unter Tage

"Das ist gar nicht so glitschig, wie es aussieht."  (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Bei Räumungsarbeiten hatten die Mitarbeiter der Naturschutzstation riesige Engerlinge in einem Rindenmulchhaufen gefunden. Extra für uns haben sie etwas Mulch samt Larven in einem Eimer zu uns gebracht, sodass dieser untersucht werden konnte. Und tatsächlich kamen zum Teil sehr große und einige kleinere Larven zum Vorschein. Alle stammen vom Nashornkäfer (Oryctes nasicornis), der in seiner adulten Form bis zu 4 cm groß werden kann. Die Larven dagegen werden oft sogar mehr als 7 cm lang und fressen verrotendes Holz sehr gerne. Daher verwundert es nicht sie in einem solchen Haufen zu finden. Wie sich so ein Engerling anfühlt, konnten die JuNas selbst herausfinden. Vorsichtig durfte jeder, der wollte, die beeindruckend große Larve einmal auf die Hand nehmen. Ein spannendes Erlebnis für angehende Naturschützer.

 (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
 (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

JuNas auf Entdeckungstour

Im Garten gab es zusätzlich noch vieles zu entdecken. Mit Ben ging es weiter auf Insektensuche. Zahlreiche Rosenkäfer und Rotdeckenkäfer tummelten sich im Wald-Geißbart. Aber auch in den Blüten gab es einiges zu beobachten. Durch das etwas kühlere und regnerische Wetter vor der Veranstaltung hatten sich noch ein paar Bienen in den Blütenköpfen versteckt und warteten, bis die Sonne herauskam. Sowohl im Gilbweiderich als auch im Storchschnabel waren einige Schenkelbienen zu sehen. 

Trauer-Rosenkäfer (Oxythyrea funesta) in einer Margerite
Rüssel-Rotdeckenkäfer (Lygistopterus sanguineus) am Wald-Geißbart
Einen Johanniskrautspanner haben wir an der Gartenlaube gefunden.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Wald-Schenkelbiene (Macropis fulvipes) im Storchschnabel  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Familie Star im Kirschbaum

Wer sich ganz ruhig und leise verhalten hat, konnte aus nächster Nähe beobachten, wie die Starenbrut in einer ehemaligen Spechthöhle in der großen Süßkirsche gefüttert wurde. Die Jungvögel sind schon relativ groß, sodass sie schon bis ans Loch heran flattern, wenn die Altvögel zum Füttern kommen. Nicht mehr lange und sie werden das Nest verlassen. Für uns eine tolle Möglichkeit, die Vögel bei ihrem Treiben zu beobachten. Zum Abschluss der Veranstaltung schaute auch noch der Turmfalke vom benachbarten Wohnblock vorbei und beobachtete das Treiben im Garten. Zufrieden mit den Insektenfunden, Vogelbeobachtungen und unserer Ernte verabschiedeten sich alle ins Wochenende.