BUND Regionalgruppe Chemnitz
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Unser eigenes Müllexperiment im Garten

 (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Am 15. März 2024 haben wir vor unserer Müllsammelaktion ein kleines Langzeitexperiment mit den Jungen Naturwächtern der AG Chemnitzer NATUREntdecker begonnen. Ziel war es, gemeinsam herauszufinden, wie lange unsere Abfälle in der Natur liegen. Dazu hatten wir ein sogenanntes Müllgrab im Garten der Naturschutzstation angelegt. Genauer gesagt haben die Jungen Naturwächter verschiedenen Hausabfall vergraben, um zu sehen, wie dieser sich nach ein paar Monaten unter der Erde verändert. Darunter waren eine leere Konservendose, Pappverpackung, beschichtete Teeverpackung, Joghurtbecher, ein Milchkarton und Bananen- sowie Orangenschalen. Nun, nach mehr als 7 Monaten, wurde das Geheimnis gelüftet und der Müll wieder ausgegraben.

Spaten in die Hand und Augen auf

 (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Gemeinsam ging es also direkt zu Beginn der Veranstaltung in den Garten der Naturschutzstation zum Müllgrab. Diejenigen, die damals mit dabei waren, wussten noch ziemlich genau, was wir alles vergraben hatten und wo die jeweiligen Gegenstände liegen müssten. Während Linda den Spaten ansetzte, konnten die JuNas gemeinsam überlegen, welche der Abfälle sich wohl verändert haben, welche nahezu unverändert sein müssten und was wir vielleicht gar nicht mehr finden werden. Gemutmaßt wurde, dass möglicherweise die Obstschalen und die Pappverpackung vielleicht gar nicht mehr da sind, da diese Materialien ja biologischen Ursprungs sind. Dementsprechend werden wohl Joghurtbecher und alle anderen Kunststoffe wohl noch da sein, wenn nicht sogar unverändert. Nach und nach wurden einige der Gegenstände gefunden und in eine Box gelegt, um sie später noch einmal genauer zu untersuchen. Direkt auffällig war, dass die Pappe in viele Einzelteile zerfallen war, während der andere Müll im Ganzen blieb. Nach einigem Suchen war fast alles in der Box gelandet, was wir im Frühjahr vergraben hatten. Lediglich die Bioabfälle von Banane und Orange haben wir nicht finden können. Sind diese tatsächlich innerhalb von ein paar Monaten komplett verrottet oder haben wir sie nur nicht gefunden? Darüber können wir nur Vermutungen anstellen.

 (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Zurück im Warmen untersuchten wir den Müll etwas genauer. Zum Vergleich habe wir noch einmal ähnlichen "frischen" Abfall mitgebracht. Bei unserem Joghurtbecher löste sich lediglich die bedruckte Außenseite ab, ansonsten war dieser sowie der Aludeckel unverändert. Die beschichtete Teebeutelverpackung war auch noch genau zu erkennen, auch hier hat sich nicht viel getan. Das ist gut und wichtig für die Teebeutel, da sie so vor Feuchtigkeit und Schädlingen geschützt sind. Doch für unsere Umwelt und Recycling ist das weniger schön, da diese Materialien nicht wiederverwendet werden können. Wie schon beim Herausholen festgestellt, war die Pappverpackung unseres Tees schon ziemlich zerfallen, doch die Schrift war noch genau erkennbar. Diese braucht also vermutlich länger, bis sie sich in kleinere Teile zersetzt. Spannend war der Fund des Milchkartons. Dieser fasste sich nicht mehr starr an, sondern recht weich und aufgequollen. Nun lösten sich die verschiedenen Schichten voneinander, sodass wir den Verbundstoff mal auseinandernehmen konnten. Die oberste Schicht ist aus dünnem Plastik, auf dem die Schrift gedruckt wird. In der Mitte liegt eine dickere Schicht aus Karton. Ganz innen ist dann die Schicht aus Polyethylen (PE) und Aluminium, damit die Milch nicht herausläuft. Wenn man diese Schichten so sieht, ist auch ersichtlich, dass ein solches Verbundmaterial nur schwer recycelt werden kann. Als nächstes hatten wir noch eine Blechdose. Diese war schon etwas zerdrückt und hatte einige Rostflecken und sogar ein paar Löcher. Solche Konservendosen liegen über 50 Jahre in der Natur, bis sie soweit korrodiert, also gerostet sind, bis lediglich der Rost übrig bleibt. Das bezeichnet man dann nicht als verrottet, sondern als zerfallen. Rost ist genau wie Plastik kein organischer Stoff, sodass er nicht zu Erde wird, wenn er lang genug unter der Erde liegt. Anders ging es scheinbar unseren Bioabfällen, denn diese haben wir gar nicht mehr gefunden. Normalerweise dauert es bei Südfrüchten bis zu drei Jahre, bis sie verrottet sind. Das liegt vermutlich daran, dass es bei uns nicht die notwendigen Kleinstlebewesen gibt, die and der Zersetzung beteiligt sind.

Hier sind ein paar der Schichten eines Milchkartons gut erkennbar. Bis zu acht Schichten können bei diesem Verbundmaterial enthalten sein.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Die Konservendose hatte schon deutlich erkennbare Korrosionsstellen.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)
Dieses beschichtete Papier hat sich nicht sehr verändert. Lediglich die Schrift wird etwas undeutlicher.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Im Anschluss stellte unser BFD-ler ein paar Infos zum Müll und seiner Zersetzungsdauer. Zunächst muss dabei unterschieden werden, ob ein Produkt wirklich verrottet oder ob es nur in kleinere Teile zerfällt. Wie lange so etwas genau dauert, kann man auch gar nicht exakt sagen. Denn das hängt von vielen Faktoren ab, zum Beispiel in welcher Umgebung das passiert und ob an Land oder im Meer. Denn dort wirken ganz andere Kräfte und durch Salz und Sand werden Produkte ganz anders zersetzt. Auch Zerfall geht durch die Reibung von Sand und Wellen recht "gut". Dabei werden die Teile in immer kleinere Stücke zerrieben. Bei Plastik spricht man bei Stücken die kleiner als 5 mm sind dann von Mikroplastik. Auch Glas wird durch diese Vorgänge in immer kleinere Stücke zerteilt. Manchmal kann man an Stränden auch kleine Glasstücke finden, die von Wasser und Sand schon ganz rund geschliffen wurden. Irgendwann wird das Glas so klein sein, dass es wie der umgebende Sand aussieht.

 (B. Franke / Junge Naturwächter AG Chemnitzer NATUREntdecker)

Dass diese künstlich hergestellten Produkte gar nicht erst im Meer oder generell in der Natur landen, haben wir einige Möglichkeiten zur Müllvermeidung besprochen. Bei uns in Deutschland gibt es ein recht gutes Pfandsystem, bei dem Einweg- und Mehrweg-Flaschen und Dosen bei entsprechenden Stellen zurückgegeben werden können. Damit das funktioniert, wird beim Kauf von Produkten in Pfandverpackungen ein kleiner zusätzlicher Centbetrag gezahlt, den man wiederbekommt, wenn die Verpackung wieder abgegeben wird. Mehrweg-Flaschen werden, nachdem man sie leer zurückgebracht hat, gereinigt und neu befüllt. Dabei werden Plastikflaschen bis zu 25 mal und Glasflaschen bis zu 50 mal wiederbefüllt. Einweg-Flaschen werden nach der Benutzung meist eingeschmolzen und zu anderen Produkten weiterverarbeitet, wie wir zum Schluss in einem Video von der "Sendung mit der Maus" gesehen haben.
Es gibt allerdings noch mehr Müllvermeidungsmethoden, die man vor allem beim Einkaufen berücksichtigen kann. Die JuNas berichteten, dass sie zum Einkaufen mit ihren Eltern meist eigene Stoffbeutel mitnehmen, um die Einkäufe darin zu transportieren. Andere verwenden Plastikbeutel wieder, wenn sie diese vorher bereits mal bekommen hatten. Erstaunt waren die JuNas beim Abschließenden Quiz darüber, dass eine Plastiktüte, die man beim Einkaufen bekommt, im Durchschnitt nur 25 Minuten verwendet wird bis sie im Müll landet. Unsere JuNas sind da also deutlich besser als der Druchschnitt, wenn sie die Produkte zum nächsten Einkauf direkt wieder mitnehmen. Auch bei Verpackungen kann man eine Menge Müll einsparen. Beispielsweise kann Wurst und Käse an den Theken gekauft und in eigenen Dosen mitgenommen werden. In Chemnitz gibt es sogar einen Unverpacktladen, bei dem die Produkte entweder gar nicht oder mit Pfandverpackungen verpackt sind. Eine zusätzliche Idee de JuNas war es, Obst und Gemüse direkt ohne Tüte oder Folie zu kaufen. Gewaschen werden müssen die Produkte zuhause sowieso, sodass wir uns hier im Laden eine Verpackung sparen können.

Wie die Mülltrennung der Gelben Tonne funktioniert, haben wir uns in einem kleinen Video angesehen. Dort waren verschiedene Förderbänder zu sehen, die mithilfe verschiedener Sensoren und Magneten die Verpackungen sortieren. Einige der Wertstoffe können wiederverwendet werden, während viele andere aussortiert und im Anschluss verbrannt werden. Aber auch das ist nicht grundlegend schlecht, da mithilfe der Wärme, die beim Verbrennen entsteht, Energie für Maschinen generiert wird. Zum Schluss gab es noch ein paar Quizfragen. Einige davon wiederholten unser bisheriges Wissen, andere waren Schätzfragen oder Allgemeines. Hier waren die JuNas teilweise sehr überrascht über die richtigen Antworten.

Die Veranstaltungen der Jungen Naturwächter AG Chemnitzer NATUREntdecker finden in Kooperation des Umweltamtes der Stadt Chemnitz und der BUND Regionalgruppe Chemnitz statt.