BUND Regionalgruppe Chemnitz

Am 10.06.2022 beobachteten Teilnehmer der AG Chemnitzer NATUREntdecker / Junge Naturwächter wie der Storchenbauftragte in Chemnitz-Wittgensdorf die 3 Jungstörche beringte

Ein Weißstorch auf seinem Horst in Chemnitz-Wittgensdorf.  (Benjamin Franke 2022)

Im Juni ist die Zeit in der die Weißstorchbeauftragten die Beringung der Jungstörche in den Landkreisen durchführen. Dies bedeutet für diese viel Stress, denn in den meisten Landkreisen gibt es mehrere Storchennester mit zahlreichen Jungtieren. Dabei ist es nicht immer so einfach an die Jungvögel heranzukommen, da sich die Nester oft auf sehr hohen Schornsteinen befinden. Dennoch lohnt sich der Aufand denn durch die Markierung der Störche können Wissenschaftler und Naturschützer mehr über die Lebensweise und die aktuellen Schutzmaßnahmen für den Weißstorch erfahren. Auch die AG Chemnitzer NaturENTDECKER wollte sich vor Ort ein Bild davon machen, wie eine solche Beringung in luftiger Höhe vonstatten geht. Den hießigen Weißstorchbeauftragte Kai Schaarschmidt kennen ja die Teilnehmer unserer AG schon aus vergangenen ornithologischen Veranstaltungen oder von der letztjährigen Storchenberingung in Grüna. Da das Interesse an den Störchen meist recht groß ist, haben wir öffentlich alle Interessierte für diese Veranstaltung eingeladen. Auch die Presse war vor Ort und hat über die Beringung und den Storchennachwuchs berichtet. Bevor Kai mit der Beringung begann, erklärte er den Anwesenden noch einiges zur Lebensweise und zur aktuellen Situation der Weißstörche in der Chemnitzer Umgebung. So war kürzlich die Bestürzung groß, dass die Störche in Grüna eines ihrer Jungen einfach aufgefressen hat. Dieses Verhalten nennt sich Kronismus und kommt ab und zu bei Störchen vor. Dabei kann es auch dazu kommen, dass Junge kranke oder schwache Jungvögel aus dem Nest geworfen werden. Die Ursache dafür ist nicht ganz klar, aber es wird vermutet, dass sie damit die Überlebenchance der verbleibenden Jungvögel bei Futtermangel erhöhen wollen. In Wittgensdorf war dies zum Gück nicht der Fall, denn es waren alle drei Jungstörche auf dem Nest zu sehen. Auch auf das Thema Beringung gin Kai nochmal ein und erklärte die Funktion der bunten Ringe. Diese sind wie ein Personalausweis und ermöglichen es Naturschützern jeden beringten Storch zu identifizieren und dessen Lebensstationen mit jeder weiteren Sichtung nachzuvollziehen. So kann man das Alter eines solchen Storches ermitteln, seine Wanderroute nachvollziehen oder auch feststellen, welcher Storch wo brütet.

Dann war es soweit. Kai legte seine Kletterausrüstung an und kletterte ausgestattet mit einer Helmkamera den ca. 30m hohen Schornstein hinauf zum Storchenhorst. Die Altvögel hatten den Horst bereits zur Futtersuche verlassen, sodass nur noch die drei Jungvögel da waren. Am Nest angekommen musste sich Kai erstmal einen Zugang zum Nest freilegen. Über die Jahre bauen Störche immer wieder am Nest weiter, sodass es auch immer höher und somit schwieriger erreichbar wird. Als die Jungstörche den "Eindringling" bemerkten, verfielen sie in die so genannte Akinese. Das ist ein Reflex mancher Tiere in Gefahrensituationen, in denen sie sich einfach tot stellen. Damit soll ein möglicher Beutegreifer das Interesse an der Beute verlieren. Die Beringer können den Störchen durch dieses Verhalten gefahrlos die Beinringe anlegen, ohne Sorge haben zu müssen, dass einer der Vögel vor Panik aus dem Nest fällt. Routiniert legte Kai den drei Jungen in schwindeliger Höhe ihre individuellen Markierungen an und verschaffte sich gleichzeitig einen Überblick über deren Zustand. Alle drei Jungstörche sind jetzt ca 7 Wochen alt, waren wohlauf und auch gut genährt. In den kommenden Wochen werden sie ihre Flugmuskukatur stärken und die ersten kurzen Flugversuche unternehmen.

Während Kai die Störche beringte hatte Jasmin ein paar Fragen und interessante Informationen für die anwesenden JUNAS und Kindern zum Thema Weißstörche mitgebracht. Ben zeigte den anwesenden Beobachtern noch ein paar Beispiele von Ringfunden und welche Informationen man nach einer Ringmeldung bekommt. Auch die Presse machte noch einige Fotos und sammelte Informationen zur Veranstaltung.

Nach ca 20 Minuten war die Beringung beendet und Kai kam nochmal zu uns und den anderen interessierten Storchenfreunden. Alle freuten sich, dass es den Wittgensdorfer Störchen gut geht und sie wohl bald den Horst verlassen werden. Wie nützlich die Beringung sein kann, musste Kai  vergangene Woche wieder feststellen, als besorgte Storchenbeobachter meldeten, dass nur noch ein Altvogel am Horst in Grüna zu sehen sei. Es stellte sich aber heraus, dass alles in Ordnung war und einer der Altvögel vermutlich nur sehr lange auf Futtersuche war. Anhand der Beinmarkierungen können solche Missverständnisse auch für Laien vermieden werden, da die Altvögel dadurch besser unterschieden werden können.

Zum Abschluss der Veranstaltung wurden noch kurze Ausschnitte aus der Helmkamera gezeigt. Man konnte sehr gut die Akinese sehen und wie routiniert Kai in dieser Höhe seiner Aufgabe nachging. Den Film wollen wir zu einem späteren Zeitpunkt gemeinsam mit Kai und den Chemnitzer NATUREntdeckern nochmal anschauen.

Storchenberingung Chemnitz-Wittgensdorf 2022 Junge Naturwächter Chemnitz

Junge Weißstörche bei ihren Flugübungen in Chemnitz-Wittgensdorf 2021.  (Benjamin Franke)
Weißstörche auf ihrem Nest in Chemnitz-Wittgensdorf 2020  (Benjamin Franke / Junge Naturwächter Chemnitz / BUND RG Chemnitz)
Die Wittgensdorfer Jungstörche bekamen am 10.06.2022 Besuch vom Weißstorchbeauftragten Kai Schaarschmidt. Er kletterte den großen Schornstein hinauf, um sich ein Bild über den Zustand des Storchennachwuchses zu machen und um diese gleichzeitig mit auffälligen Markierungsringen an den Beinen zu versehen.  (Benjamin Franke / Junge Naturwächter Chemnitz / BUND RG Chemnitz)
Die Jungstörche stellen sich während der Beringung tot, was man Akinese nennt und dazu dienen soll für potenzielle Feinde uninteressant zu wirken. Dieses Verhalten machen sich die Beringer zu Nutze um die Vögel gefahrlos mit den Beinmarkierungen zu versehen.  (Benjamin Franke / Kai Schaarschmidt)
Alle drei Wittgensdorfer Jungstörche waren gut genährt und wohlauf. In den nächsten Wochen werden sie ihre Flugmuskulatur stärken und den Horst verlassen.  (Benjamin Franke / Kai Schaarschmidt / Junge Naturwächter Chemnitz/BUND RG Chemnitz)

Nahrungsmangel im Stadtgebiet: So qualvoll verenden die Chemnitzer Störche

Leider gibt es traurige Nachrichten zu den jungen Weißstörchen im Chemnitzer Stadtgebiet. Lesen Sie hier. TAG24 - Nahrungsmangel im Stadtgebiet: So qualvoll verenden die Chemnitzer Störche

Dramatische Entwicklung: Sächsische Störche töten ihre Babys

Wozu der Nahrungsmangel in trockenen Jahren führen kann, können Sie hier nachlesen.  TAG24 - Dramatische Entwicklung: Sächsische Störche töten ihre Babys.

Weißstörche in Sachsen

Wer mehr über die Weißstörche in Sachsen erfahren möchte, dem sei die Website www.sachsenstorch.de zu empfehlen.