BUND Regionalgruppe Chemnitz
Jetzt spenden Mitglied werden
 (L. Heinrich / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

"See the unseen" lautet in diesem Jahr das Motto der Kulturhauptstadt – und auch die Jungen Naturwächter der AG Chemnitzer NATUREntdecker wollten sich zusammen mit Familie Müller im Kaninchengrund Ebersdorf auf die Suche nach Zugvögeln machen, die sonst eher verborgen bleiben. Im Kaninchengrund, im Nordosten von Chemnitz gelegen, finden bereits seit einigen Jahren von August bis Oktober wissenschaftliche Vogelberingungen durch Ehrenamtliche statt. Ziel ist es, mehr über die dort entlangziehenden Arten zu erfahren und herauszufinden, ob das Gebiet, das vor vielen Jahren renaturiert wurde, vielleicht eines Tages als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden kann. Dafür ist entscheidend, welche Arten – insbesondere geschützte – hier vorkommen. Für die JuNas hieß es an diesem Samstag früh aufstehen, denn: Der frühe Ornithologe fängt den Vogel. Anders als in den vergangenen beiden Jahren nahmen sie diesmal an einer regulären Beringungsaktion teil, die alle anderthalb Wochen durchgeführt wird. Auch der JuNa-Grundkurs war am 17.09.2025 zum ersten Mal dabei und konnte zahlreiche neue Vogelarten kennenlernen.

 (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Bereits mit Sonnenaufgang stellten Klaus Müller und seine Frau Regina die Netze zwischen den Gebüschen auf. Beide interessieren sich schon seit ihrer Jugend für Ornithologie und sind seit vielen Jahren in der Vogelberingung aktiv. Klaus führte seine Leidenschaft und Erfahrung sogar bis nach Helgoland, wo er an der Inselstation des Instituts für Vogelforschung als professioneller Vogelberinger tätig war. In dieser Zeit gingen tausende Vögel durch seine Hände – und unzählige Daten für die Vogelzugforschung wurden von ihm erfasst. Für die JuNas ist es ein großes Glück, einen so erfahrenen Vogelkenner und Naturschützer für das Projekt gewonnen zu haben. Klaus Müller ist bereit, sein Wissen und seine Begeisterung an die nächste Generation von Naturfreunden weiterzugeben. Schon in den vergangenen beiden Jahren (2023 und 2024) durften die JuNas ihm bei der Beringung über die Schulter schauen, außerdem unterstützte er sie bei der „Stunde der Wintervögel“. Von seinen spannenden Erfahrungen auf Helgoland berichtete er bereits in einem Vortrag im Januar 2024 und auch beim „Tag der Jungen Naturwächter 2025“ sprach er über die Vogelberingung. Unser Dank gilt aber ebenso Regina Müller, die den JuNas stets geduldig den behutsamen Umgang mit den Vögeln und das Freilassen erklärt. Dafür möchten wir uns an dieser Stelle ganz herzlich bei beiden bedanken – und freuen uns schon auf viele weitere gemeinsame Veranstaltungen. Vielleicht entdeckt ja der eine oder andere JuNa seine eigene Leidenschaft für die Ornithologie und unterstützt eines Tages selbst bei der Vogelberingung.

Zunächst wird der Ring behutsam am Bein des Vogels angebracht. Er funktioniert wie ein kleiner „Personalausweis“ und ermöglicht bei späteren Funden die eindeutige Wiedererkennung.  (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Das Wetter zeigte sich an diesem Samstag von seiner besten Seite – ideale Bedingungen für die Vogelberingung. Einige JuNas trafen sogar schon vor dem offiziellen Beginn ein, um keinen Moment zu verpassen. Auch zwei interessierte Gastkinder begleiteten die Gruppe. In festgelegten Abständen wurden die Netze kontrolliert und die gefangenen Vögel vorsichtig in Stoffsäckchen gesetzt. Am Beringungstisch folgte dann ein standardisiertes Verfahren: Zuerst wurde beringt – damit ein Vogel im Falle eines Entweichens zumindest erfasst bleibt. Anschließend erfolgten das Wiegen, die Vermessung der Flügel sowie die Bestimmung von Geschlecht, Alter und Ernährungszustand. Besonders eindrucksvoll war für die Teilnehmenden zu sehen, mit welcher Routine Klaus die zarten Vögel handhabte und wie gelassen diese die Prozedur über sich ergehen ließen. Hier wurde seine große Erfahrung ebenso deutlich wie seine Leidenschaft für die Vogelwelt. Alle erhobenen Daten wurden von einem ehrenamtlichen Helfer sorgfältig dokumentiert. Die JuNas übernahmen an diesem Tag die Aufgabe des Freilassens. Mit spürbarer Begeisterung öffneten sie die Hände – auch wenn sich die eine oder andere Meise mit einem kräftigen Haps in den Finger verabschiedete.

 

 (B. Franke / Junge Naturwächter / BUND Chemnitz)

Anders als im Vorjahr flogen an diesem Tag zahlreiche Vögel in die Netze. Gut, dass wir am Tag zuvor noch etwas Vogelkunde wiederholt hatten, denn das Wissen war an diesem Tag durchaus hilfreich. Insgesamt konnten neun verschiedene Arten erfasst werden. Einige Vögel waren bereits beringt, darunter eine Meise, die ihren Ring ein Jahr zuvor im Kaninchengrund erhalten hatte. Ein Zaunkönig weigerte sich jedoch, beringt zu werden, und entkam aus den Händen des Beringers – wir konnten ihn später immer wieder im Gebüsch beobachten. Einige Vögel flogen sogar mehrfach ins Netz, sodass sie an Ort und Stelle wieder freigelassen werden konnten. Neben häufigen Meisen, Rotkehlchen und Mönchsgrasmücken wurden auch zwei Singdrosseln, eine Klappergrasmücke, ein Zilpzalp und sogar ein Schwarzkehlchen gefangen. Dies war das absolute Tageshighlight – nicht nur für die JuNas, sondern auch für den erfahrenen Beringer. Die JuNas übernahmen an diesem Tag die wohl schönste Aufgabe: Jeder durfte mehrere Vögel freilassen und dabei wertvolle Erfahrungen im behutsamen Umgang mit den Tieren sammeln.

Wir danken den Ornithologen des Vereins Sächsischer Ornithologen sowie der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Chemnitz herzlich dafür, dass sie den Jungen Naturwächtern die Teilnahme an der diesjährigen Vogelberingung im Kaninchengrund ermöglichen.

Die Veranstaltungen der Jungen Naturwächter an der kommunalen Naturschutzstation Chemnitz (Adelsbergstraße 192) finden in enger Zusammenarbeit zwischen dem Umweltamt der Stadt Chemnitz und der BUND Regionalgruppe Chemnitz statt.