iNUVERSUMM – Weder Raum noch Zeit für Insekten
Wir sagen dem iNUVERSUMM Goodbee!
Endlich ist er beschlossen, der Sächsische Haushalt 25/26. Endlich können Gelder für Projekte fließen, oder gestrichen werden. Denn: Obwohl es eigentlich angesichts der fortwährenden Klima- und Biodiversitätskrise mehr Mittel für den Umweltsektor bräuchte, werden die Gelder hier nicht erhöht. Gleichzeitig wird alles teurer. Und dann kann nicht jedes Projekt gerettet werden.
Dann sterben neben Insekten und Pflanzen auch wichtige Naturschutzprojekte.
Zur selben Zeit stehen viele Insekten auf der Roten Liste, und sind vom Aussterben bedroht. Viel zu viele sind bereits an einem Punkt, an dem wir nichts mehr für sie tun können.
Mit Projekten und (oft ehrenamtlichem) Engagement dagegen zu halten, ist alles was uns noch bleibt, wenn Politik ihrer Aufgabe nur unzureichend nachkommt. Was aber, wenn diese Projekte selbst nicht weiterlaufen können?
Aber kurz ein Rückblick: Seit 2022 lief das Citizen-Science-Projekt "iNUVERSUMM", bei dem die Bevölkerung dazu aufgerufen wurde, im urbanen Raum Lebensräume für Insekten zu erhalten, zu pflegen oder, wo nicht vorhanden, neu zu schaffen. Dabei sollten alle Strukturen genutzt werden, die in Städten vorhanden sind: Brachliegende Grundstücke oder Vorgärten, Kleingartenanlagen, Baumscheiben, Straßenränder, aber auch Hauswände und Dächer. Grüne Städte, heimische Pflanzen - ein Paradies für Insekten. Die kleinen Lebewesen, die wir so dringend brauchen und deren Rettung unabdingbar für unser eigenes Leben ist, doch gegen die wir so viel tun. Wenn auch oft unbewusst. Vor allem aus einem Grund: Weil es rentabel und sinnvoll scheint, bspw. Lebensräume zu entfernen. Während man sich der Folgen nicht bewusst ist. Oder sie in Kauf nimmt.
Diese Folgen abzuschwächen, und einen Blick dafür zu behalten, welche Veränderungen einen positiven Nutzen bringen, sollte das Ziel sein. Und die Engagierten des Projektes „iNUVERSUMM“ trugen ihren Teil dazu bei:
12 Projektpartner, einige waren schon mit dem Thema bekannt, da sie sehr engagiert im Vorläuferprojekt "Puppenstuben gesucht - Blühende Wiesen für Sachsens Schmetterlinge" mitgewirkt hatten. Neu aufgelegt, mit neuem Gesicht und Schwerpunkt kam nun das iNUVERSUMM daher und mit großen Ambitionen machten sich viele Haupt- und vor allem Ehrenamtliche daran, Veranstaltungen zu organisieren, Menschen anzusprechen und zu beraten, Flächen auszukundschaften, Monitoring zu betreiben, Flächen anzulegen und vieles mehr.
Diesmal ging es nicht nur speziell um Blühwiesen, sondern um jegliche insektenfreundlichen Lebensräume in der Stadt. Also Heckenstrukturen, Dach- und Fassadengrün, Gehölze - und natürlich auch die Blühwiesen. Und im Gegensatz zum Vorgängerprojekt ging es nicht nur um Falter, sondern um Insekten im Allgemeinen, um Heuschrecken, Wanzen, Wildbienen, Käfer - und klar, natürlich auch die Falter.
Und diese sollten jeweils nicht nur durch Monitoring erfasst, sondern durch die insektenfreundliche Pflege eines oder mehrerer Lebensräume geschützt werden. Und um einen möglichst großen Effekt zu haben, liegt der Gedanke nahe, andere Menschen dafür zu begeistern und ihnen beratend zur Seite zu stehen, damit weitere Flächen angelegt werden.
Das Ergebnis war von Region zu Region unterschiedlich: Während manche immer wieder Projektflächen an Land zogen, und sich die interaktive Karte in ihrer Region immer weiter füllte, lief es damit bei anderen eher schleppend. Und während andererseits manche bis zum Schluss nicht mit dem Insekten- und Pflanzenmonitoring warm wurden, verloren sich andere geradezu darin.
So oder so, alle gaben ihr Bestes.
Der BUND Chemnitz beispielsweise organisierte immer wieder Vorträge zu Themen wie den eigenen Garten insektenfreundlich zu gestalten, selbst Blühflächen anzulegen, oder sich ein Bild über das iNUVERSUMM-Projekt machen zu können.
Workshops wie der alt bewährte Sensenkurs oder ein neues Format gemeinsam mit Herrn Dr. Matthias Nuß und Mitarbeiter*innen der Chemnitzer Grünflächenpflege liefen gut, an Pflanzenmärkten probierte man sich aus - und krönte dies im Mai 2025 gemeinsam mit dem Museum Gunzenhauser mit absolutem Erfolg.
Flächen für die der BUND Chemnitz in dieser Zeit sorgte, waren unter anderem eine Blühfläche an einer Grundschule, eine bepflanzte Baumscheibe als Anschauungsobjekt, eine Fassadenbegrünung im Garten des Alternativen Jugenzentrum e.V. Chemnitz, und die Aussicht auf eine Blühfläche am Subbotnik e.V. Chemnitz.
Nach Gesprächen mit dem Botanischen Garten Chemnitz, wurde dort sogar die Mahd angepasst, sodass nun nur noch partiell gemäht wird. Und solche kleinen Erfolge sind viel wert.
Innerhalb der drei Jahre Projektlaufzeit konnte einiges geleistet werden, auch wenn nicht alle Ziele erreicht wurden, die man sich anfangs mal gesteckt hatte.
Doch je näher das Ende des Projektes kam, desto mehr hoffte man natürlich einerseits, dass doch noch ein Wunder geschehen könnte, und irgendwo jemand noch eine Million auf der hohen Kante auftat, ahnte aber andererseits, dass sich das Projekt leider zunächst nicht fortgeführt werden würde.
Nichtsdestotrotz engagierten sich die Haupt- und Ehrenamtlichen der Regionalen Projektpartner natürlich mit vollem Einsatz.
Und nun geht das Projekt schließlich zu Ende - und der BUND Chemnitz schaut mit einem lachenden und einem weinenden Auge darauf zurück. Stolz darauf, etwas geschafft zu haben, und traurig darüber, dass es nicht noch mehr war.
Wir danken allen Engagierten für ihre Mitarbeit. Ohne sie wäre das nicht möglich gewesen.
Willkommen beim Projekt: iNUVERSUMM – Raum und Zeit für Insekten
Mehr Stadtnatur für Chemnitz
Für blühende Landschaften müssen wir schon selber sorgen. Von alleine kommen sie nicht.
(Benjamin Franke
/
BUND Chemnitz)
Seit dem 1. Juli 2022 ist der BUND Chemnitz Partner des Projekts „iNUVERSUMM – Raum und Zeit für Insekten“, das vom Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) - Landesverband Sachsen geleitet wird. Dieses Projekt ist der Nachfolger des erfolgreichen Mitmachprojekts "Puppenstuben gesucht – Blühende Wiesen für Sachsens Schmetterlinge".
Das Hauptziel des Projekts ist die Verbesserung der Biodiversität im städtischen Raum. Das bedeutet, die Artenvielfalt zu erhalten und die Stadtnatur zu vernetzen und zu verbessern. Der BUND Chemnitz fungiert bis 2025 als regionaler Ansprechpartner und Berater für Chemnitz.
In Städten gibt es viele Flächen, die richtig angelegt oder gepflegt werden müssen. Dabei sind Kreativität und ein Blick über den Tellerrand gefragt. Urbane Flächen wie Dächer oder Häuserwände sollen ebenfalls genutzt werden.
Wenn Sie Fragen oder Ideen zum Anlegen einer Blühfläche haben, steht Ihnen der BUND Chemnitz gern beratend zur Seite.
Mehr Infos zum Schmetterlingsprojekt finden Sie hier ganz kurz und knackig oder hier etwas ausführlicher.
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